Montag, 13. Juni 2022

Vanlife: Reisen mit dem Land Cruiser vs VW Bus erste Eindrücke und Vergleich

Camping / Vanlife / Overlanding: Schlafen im Geländewagen vs VW Bus bzw Bulli/California - erste Eindrücke und persönlicher Vergleich.

Aufmerksame Mitleser haben es schon erraten können. Brummie unser Land Cruiser (oben links) darf endlich wieder auf die grosse Reise gehen, mit einem kundigen neuen Besitzer. 

Und für uns stellte sich nun die Frage: "was nun"? Womit wollen wir zukünftig Reisen? Das Fahrzeug muss nun mehr als nur zwei Reisende beherbergen können, sollte alltagstauglich sein da wir beide in den nächsten Jahren voraussichtlich dem einen frönen: dem Arbeitsleben - und nicht wie ursprünglich geplant - die Seidenstrasse unsicher machen, was Covid im 2020 zu verhindern wusste.

Wir haben uns diverse Ausbauten auf der Basis des VW Transporters angesehen und haben einiges ausprobiert. Noch ist nichts in Stein gemeisselt, aber wir fahren aktuell einen VW Bus mit einem Westfalia Ausbau und Aufstelldach. Eine Room tour kommt, sobald wir uns sicher sind - dass das ganze Bestand haben wird - versprochen!

Wir waren nun im April/Mai nach einigen Kurzreisen im Winter für knapp 3 Wochen mit dem VW Bus auf Spanien-Tour und können so einen ersten Vergleich ziehen. Auf unseren Winter-Touren zum Skifahren, wo wir das Wintercamping sehr genossen haben - kam schon etwas Befürchtungen auf, dass sich unser Reisealltag ändern könnte. 

Vergleich vom Geländewagen Reisesetup mit einem VW Bus Wohnmobil, von California, Bulli mit Aufstelldach. Camping / Vanlife / Overlanding: Schlafen im Geländewagen vs VW Bus bzw Bulli/California - erste Eindrücke und persönlicher Vergleich.

Im Winter und Frühling haben wir uns selten ausserhalb des Busses aufgehalten. Die Standheizung sorgte für wohlige Temperaturen, draussen ging eine Steife brise - und irgendwie nutzt man den geheizten Lebensraum, wenn er denn vorhanden ist - und das geliebte Lagerfeuer findet nicht statt.

Wir starteten im April in Richtung Spanien bei durchschnittlich 16 Grad tagsüber, 8 Grad in der Nacht - und schon am ersten Abend werkelte ein schönes Lagerfeuer - wir kochten uns aber noch ein Instant-Gericht mit dem eingebauten Gaskocher - da wir schlichtweg keine Zeit gefunden hatten den Kühlschrank mit Vorräten zu befüllen. 

Und schnell stellte sich heraus, dass da gar kein so grosser Unterschied in unserem Reisealltag war, zwischen dem Reisen mit dem VW Bus und dem Land Cruiser mit Tiny-Wohnmobil-Ausbau.

Wir kochten des Abends meist auf einem Lagerfeuer und mit den Tools die wir auch im Land Cruiser so mitgeführt haben. Bei annehmbarem Wetter spielte der Wohnraum meist keine grosse Rolle, dass Leben fand gleichermassen im freien statt.

Das Frühstück genossen wir meistens auch draussen, sobald die Aussentemperatur die 12 Grad überschritten waren. Das Mittagessen widmeten wir dem jeweiligen Reiseland - dh wir probierten lokale Kost in den bevorzugt untouristischer(en) Restaurants, so profitiert die lokale Wirtschaft doch auch noch etwas mit. 

Auch die Wildcampspots die wir ansteuerten, wir haben dem Bulli mit Strassenreifen nichts erspart, d.h. das machte auch nicht den Unterschied aus, die Plätze waren dank Luftfahrwerk (+3cm und damit zusätzlichen 12cm optionaler Bodenfreiheit (Höhenverstellbar) bislang weiterhin erreichbar.

Vergleich vom Geländewagen Reisesetup mit einem VW Bus Wohnmobil, von California, Bulli mit Aufstelldach. Camping / Vanlife / Overlanding: Schlafen im Geländewagen vs VW Bus bzw Bulli/California - erste Eindrücke und persönlicher Vergleich.

Gibt es denn überhaupt Unterschiede? Ja, die gab es dann doch durchaus!

Positive Themen

  • Wintercamping / Dauerregen fähig 
  • Komfort beim Zubereiten von Mahlzeiten (Arbeitsfläche/Ablageflächen)
  • Morgen-Kaffee ist einfacher zuzubereiten
  • Der Wetterbericht wird nicht mehr so doll beäugt, es darf auch mal regnen.
  • Blickdichter Innenraum mithilfe von Thermomatten schafft Sicherheit
  • Luftfahrwerk - auf Knopfdruck steht das Fahrzeug perfekt waagrecht.
  • Stehhöhe beim Anziehen, Kochen - ist wirklich toll
  • Warmwasser: Der Abwasch mit heissem Wasser ist ein richtiges Plus
  • Parkplatz-Tauglich: mit dem Luftfahrwerk geht auch 2m mit der Markise.
  • Eingebautes WC: dies wurde rege genutzt und geschätzt.
  • Wohnklima an Hitzetagen mit Thermomatten toll. 
  • Stauraum: im VW Bus hat es viel mehr Platz für Kochwaren und Kleider
  • Mit 4x4, Sperre, Luftfahrwerk & Campingausbau 900kg mögliche Zuladung.
  • Verbrauch: 9.5 Liter auch bei unbedachter Fahrweise.

Negative Themen

  • Schlafkomfort - auch mit dem Upgrade einer 6cm Fanello-Matratze und bestehenden Froli System, die 13cm Matratze / Bettsystems des Land Cruisers aus dem Yachtbau ist leider unerreicht beim Komfort.
  • Schlafkomfort bez. Umgebungs-Geräuschdämmung - im Aufstelldach ist man allen Geräuschen wesentlich deftiger ausgesetzt. Kläff-Kläff....
  • Fahrkomfort bez. Innengeräusche: Der Land Cruiser 200 hat ein exzellentes noise cancelling, man hört selbst von den MT Reifen wenig, noch weniger von anderen Fahrzeugen, im Bus ist das Säuseln der Markise und auch andere Fahrzeuge durchaus wahrnehmbar.
  • Sitzkomfort: Gegen die Sofas im Land Cruiser stinkt der VW wirklich ab
  • Offroad: Auch mit dem Luftfahrwerk ist der Fahrkomfort auf Tracks nicht so erhaben
  • Offroad-Gene: die fehlende Untersetzung und der lange erste Gang im VW, aber man kommt dennoch weiter als man denkt. 
  • Sicherheit / Not-Start: Mit dem Aufstelldach ist man da nicht mehr ganz so agil, dass man startet, wird sichtbar für die Aussenstehenden. 
  • Liegekomfort ist hinsichtlich der Höhe im Bus und Geländewagen begrenzt...
Vergleich vom Geländewagen Reisesetup mit einem VW Bus Wohnmobil, von California, Bulli mit Aufstelldach. Camping / Vanlife / Overlanding: Schlafen im Geländewagen vs VW Bus bzw Bulli/California - erste Eindrücke und persönlicher Vergleich.

 Praktisches Equipment für den VW Bus

Viele der weiteren zahlreichen Käufe von Kleinigkeiten speziell für den Bus erworben waren im nachhinein sogenannte "Zonks" - nur von der Idee her toll. Sei es das ultrakompakte Kochset, ein kleiner Elektro Staubsauger etc etc. - wir nennen daher nur das wenige - was sich wirklich bewährt hat. 

Kochset: wenn man im Bus kochen will, braucht es schon eine vernünftige Pfannengrösse und nicht ein Set was man immer mühselig auseinandernehmen und nachher wieder zusammensetzen muss. Die Bratpfanne sollte auch zwei Steak beheimaten können - und nicht nur in "geschnetzeltem" Format. DH lieber eine normale Bratpfanne und einen normalgrossen Topf... Staubsauger: ohne Teppich im Wohnraum - ist ein Handbesen am Ende doch öfters in Gebrauch gewesen. 

Irgendwie stellten wir fest, dass wir den Bus noch gar nicht so richtig zu nutzen wissen. Wir hatten uns mit Andalusien ein recht entferntes Reisegebiet herausgesucht, auch recht viele POI`s die wir abklappern wollten. 

Daher gab es wenige Standtage, wenig Zeit die Annehmlichkeiten der grösseren Behausung zu geniessen. Auch vieles der nützlichen kleinen Helferchen vom Reisen mit dem Geländewagen haben den weg in unseren neuen Bus gefunden und sind im Einsatz. Aber ja, gerade bei Wind, leichtem Nieseln, der zusätzliche geschützte Aufthaltsraum wurde doch ab und an gerne genutzt. 

Mit dem VW Bus haben wir auch schon unser erstes grosses Abenteuer erlebt, eine mehr als unschöne Wildcamping Nacht am Strand in Spanien, inmitten einer Drogen/Migranten Operation, daher wurde oben auch das Sicherheitsthema genannt.

Mit dem Land Cruiser wären wir in dieser Situation davongefahren, der Not-Start war mit 33sekunden regelmässiges Training. Aber andererseits waren wir im Bus in der Lage aufzustehen, waren dank Magnetmatten nicht sichtbar - hätten uns dank des Platzangebotes besser verteidigen können. 

Aktuell bewegen wir den Westfalia Club Joker City mit Aufstelldach - einem ausgeklügelten Raumkonzept und 4 Sitzplätzen, WC, Heisswasser, Dusche - wir werden berichten ob es dabei bleibt - und dann das Fahrzeug in aller tiefe hier vorstellen. 

Unser Fazit: wir vermissen unseren Land Cruiser bereits. Aber wir "erfahren" mit dem VW-Bus unter dem Strich bisher eine Bereicherung, denn wir können nun auch Regentage und Wintercamping komfortabler bestreiten. Perfekt für die zu erwartenden 2-3 Wochenendreisen in den nächsten Jahren. Für eine Langzeitreise würde uns das "Zelt-Geräusche-Feeling" und der geringere Schlafkomfort (Matratze/Bett) aber durchaus stören. Ob dies so bleibt, oder wir uns mit der Zeit daran gewöhnen: wir werden berichten! Der Einstieg in den Geländewagen erforderte Gelenkigkeit, gleiches braucht es auch für das Klettern ins Aufstelldach. 

Am meisten vermisst haben wir tatsächlich AT Bereifung, hauptsächlich weil wir mit weniger Luftdruck hätten das Fahrzeug schonen können, auf schlechten Pisten und Feldwegen, ohne deswegen mit einem Plattfuss rechnen zu müssen.

Diese Artikel werden Dich auch unteressieren:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen