Donnerstag, 28. April 2022

Sicheres Reisen - und unseren Einfluss darauf

Wie können wir unsere Reisen sicherer gestalten? Welchen Einfluss können wir selber nehmen, neben den gängigen Vorbeitungen zur Sicherheitslage. Selbstverteidigungskurse und CS Gas sind nicht das einzige was wir beitragen können.

Wir haben das Thema "Sicherheit auf Reisen" schon mehrmals angesprochen. Aber bisher haben wir noch nie thematisiert, dass auch oftmals wir Reisende unseren Beitrag leisten können. Ich möchte nicht behaupten dass wir alles abfedern können, aber oftmals können wir mit unserer Reaktion einen Einfluss auf den Ablauf nehmen.

Auf einer längeren Reise kann alles mögliche passieren, die Frage ist wie wir im Fall der Fälle dann damit umgehen. Früh zu deeskalieren, an der richtigen Stelle bestimmt auftreten - beides kann helfen.

Bei Reisen im Ausland kommt oft auch noch die Sprachbarriere dazu, die bei einem Disput die Verständigung nicht eben vereinfacht.

Gerade bei Weltreisen hilft es meiner Meinung nach, wenn wir uns in der Theorie einmal mit dem Gedanken von Strassensperren, einem Überfall, einen Einbruch etc einmal wirklich auseinander zu setzen.

"Was wäre wenn", sich damit zu beschäftigen wie man sich verhalten könnte, welches Verhalten zu welchen Reaktionen führen könnte. Sich abzustimmen welche Verhaltensweisen Beispielsweise als Paar sinnvoll wären.

Ich möchte hier nicht urteilen, aber euch ein paar Beispiele aufzeigen. Wichtig ist diese ins Verhältniss zu setzen zu der grossen Anzahl an Reisenden - dieses sind die wenigen auffindbaren Ausreisser. In der Regel findet man hauptsächlich Fahrzeugeinbrüche - in Abwesenheit der Reisenden. 

Auch sollten wir immer versuchen uns in die Reisenden hineinzuversetzen, die waren mitten drin, hatten Angst/Adrenalin - und hatten nicht viel Bedenkzeit. Um so wichtiger scheint mir die theoretische Vorbereitung, der Versuch in der Lage zu sein, bei einem solchen Vorfall mit bedacht zu reagieren.

Ein Vorfall in Peru

Selten wurde ein Vorfall so ausführlich diskutiert und dokumentiert. Die Reisenden eckten bei den Locals an, verweigerten es die Papiere zu zeigen, versuchten zu fliehen. Es eskalierte total, so der halb offizielle Ablauf. 

Blog: https://adventureamericas.wordpress.com/2013/01/03/nightmare-in-peru/

Wie können wir unsere Reisen sicherer gestalten? Welchen Einfluss können wir selber nehmen, neben den gängigen Vorbeitungen zur Sicherheitslage. Selbstverteidigungskurse und CS Gas sind nicht das einzige was wir beitragen können.
(c) https://caretas.pe

Diskussion: https://expeditionportal.com/forum/threads/discussion-around-adventure-americas-incident.94222/

Da über 15K an Spenden zusammen kamen und unterstützende Blogger Vor-Ort nie einen Beweis erhielten, gibt es hier einen erhärteten Scam verdacht. 

Ich kann den Einbruch in mein Fahrzeug zumindest recht einfach belegen, so dass der Verdacht in diesem Fall auch in meinen Augen durchaus bestehen bleibt.. 

Links: DailymailElcomercioPlanetJacksonHoleFoxnews 

Unter Beschuss in Angola 

Hier wurden die Reisenden von bewaffneten Personen ohne Uniform aufgeschreckt, ihre Flucht endete mit einer Schussabgabe und einer angeschossenen Bremsleitung.

Blog: https://www.insnirgendwo.de/angola-i-unter-beschuss/

Ein Todesfall in DR Congo

Hier wurden Reisende Überfallen, die Auseinandersetzung endete für einen der beiden Reisenden  leider tödlich.

http://www.worldtrip.de/Weltreise-Forum/cgi-bin/weltreisen/YaBB.pl?num=1537715775/2#2

Ein Todesfall in Mali

Aufmerksame Leser meines Transafrika Blogs werden mitbekommen haben, dass nur ein Tag vor unserem bereisen von Keyes (Mali) ein französischer Overlander in der Nähe von Islamisten entführt worden war, sozusagen von der Strasse weg. 

Die Zeitungsmeldung zu seinem Tod kam dann 1.5 Jahre später.

Was können wir aus diesen Vorfällen lernen? Wie können wir uns auf so etwas vorbereiten? Gerade das letzte Beispiel zeigt, dass man sich nicht auf alles Vorbereiten kann.... 

Wichtig ist uns auf das zu fokussieren was wichtig ist. Unser Leben, unsere Gesundheit, unser Besitz und unsere Errinerungsgegenstände wie Fotos etc. Es lohnt sich niemals, wegen dem Besitz die Gesundheit oder das Leben zu riskieren. Sich auf einen Abschreiber vorzubereiten hilft vielleicht später, hier besonnener zu reagieren.

Dokumente: Soll diese doch ein Polizist oder Bürgermeister temporär einkassieren. Dies lässt sich später mit der tourismus Polizei oder auf einer Polizeistation ganz entspannt aufarbeiten, es findet sich ein Übersetzer, niemand ist aufgeregt - und egal wo auf der Welt - dem deliquenten Beamten wird mehr Ärger entstehen als euch, die vielleicht dabei 1-2 Reisetage verlieren. Daher liegt keinem Beamten wirklich daran - die Papiere einzubehalten. Daher fertige ich auch erst gar keine laminierten Dokument-Kopien an. 

Backup: Ein kleiner Backup-Plan mit Kopien der Dokumente, aber auch bezüglich eurer Fotos und elektrischer Daten ist hilfreich. Wenn ihr wisst dass ihr nur die Fotos des heutigen Tages verliert, reagiert ihr vielleicht auch besonnnener.  Ich trage die verschlüsselte Backup Speicherkarte(n) auf Reisen immer in meiner Hosentasche spazieren. Auch das Wissen wie man selbst bei einem kompletten Dokumenten-Verlust wieder an die Originale kommen kann, kann helfen entspannter zu bleiben. 

Besitz: Die Menge an Bargeld sollte so bemessen sein, dass ihr dafür nicht zu viel riskieren würdet. Die Wertgegenstände lassen sich für Schweizer Beispielsweise via Hausrats-Versicherung versichern. Wer für sein Fahrzeug einfach alles riskieren würde, dem hilft eine verzögerte Wegfahrsperre, ein GPS Tracking und auch eine Vollkasko Versicherung.

Unsere Reisefahrzeuge sind in der Regel für die Locals nicht besonders nützlich, fahren wir doch in den Augen einheimischer meist Exoten. Diebstähle passieren da eher innerhalb der EU oder der USA - und nicht auf internationalen Fernreisen, auch als sehr aufmerksamer Leser finden sich hier keine Beispiele auf internationalen Reisen.

Und schon sind selbst worst-case Szenarien finanziell recht überschaubar. Die Versicherung hat bei dem Fahrzeugeinbruch in mein Reisefahrzeug - auch die "UPS/DHL 2 business day international Express" Kosten bei der Wiederbeschaffung übernommen, was u.a. auch zu neueren Hardware geführt hatte. Ob dies "normal" ist, oder weil es der erste Vorfall in meiner ganzen Versicherungsgeschichte war, kann ich nicht beurteilen.

Verhalten: Auf internationalen Fernreisen wird es viele Nächte ausserhalb dem Schutz von Guesthouses, Hostels oder Campsites geben - weil es im ländlichen  Bereich keine solche Infrastruktur hat. 

Auf Reisen lohnt es sich gegen Abend entweder gezielt den Kontakt (und auch Schutz) der Locals zu suchen oder zu diesen ganz zu meiden. Dh zuerst zu fragen wo man übernachten kann, ob dies in Ordnung ist. Damit liefert man sich der Gemeinschaft dann eben auch ein bisschen aus. Welche Sachen die Locals konsumieren, welche Streitigkeiten gerade herschen, unter welchem Druck die Bewohner stehen, ihr seid mitten drin. 

Fragt so früh dass ihr auch noch gehen könnt, wenn ihr merkt dass eure Anwesenheit nicht nur Freude bereitet. 

Immer noch bei Tageslicht einen Platz für die Nacht suchen, da seht ihr zum einen die Umgebung, zum anderen können andere euch einschätzen wenn ihr Beispielsweise fragt ob ihr da übernachten könnt. 

Zumindest eure Herkunft, Anzahl an Personen, das nächste Ziel solltet ihr in Landessprache oder mit Hand und Fuss erklären können. 

Das sich die ländlichen Bewohner ein Bild von euch machen können, ist wichtig. Auch sollte man dann zumindest einen Teil des Abends den Locals widmen, von eurer Reise berichten, ein kleines Geschenk etc. Ich habe es oft bereut dass ich da nur Schokolade oder Bier / Wein als Geschenk verfügbar hatte, bei der "besseren Hälfte" stiess Alkohol mitunter nicht auf Zustimmung.. 

Oftmals werdet ihr so in den Bauernhof oder das Dorf integriert, man läuft mit euch durch, zeigt die Ställe oder ihr werdet noch zum Essen eingeladen. Die Einblicke sind spannend aber ohne Sprachkenntnisse auch sehr anstrengend. 

Oder aber ihr betreibt Wildcamping und sucht euch einen abgelegenen Platz in der Natur, dass ist in meinen Augen oftmals die sichere und ruhigere Option. Ich gehe persönlich die Suche nach einer geeigneten Schlafmöglichkeit cirka 2std vor Sonnenuntergang an.

Und ja, kommt um 0 Uhr der Landbesitzer (?) angefahren weil das Lagerfeuer ihn doch zu sehr beunruhigt hat, dann ist der Ton der Diskussion erst einmal ruppig. Ob eure Anwesenheit stört oder ob er sich sorgen um euch macht - lässt sich mit der Sprachbarriere vielleicht nicht zeitnah klären. Dies ist mir 2mal passiert, es hilft wenn man sich dann zumindest als Tourist und Europäer deklarieren kann - und dabei freundlich bleibt. Lernkurve - das 1x1 des Wildcampings nochmal studieren ;-) Ein Wildcamp-Platz ist dann wirklich ruhig - wenn niemand weis das ihr da steht. 

In urbanen Gebieten habe oftmals in Innenstädten bei Parkanlagen übernachtet, weil mir dies sicherer schien als in den Vor-Orten, wo man sich nicht wirklich abseits hinstellen konnte. 

In abgelegenen Gebieten (und nicht nur in der dritten Welt), kann es durchaus sein dass auch die Amtsträger wie Polzei oder Grenzbeamte in Zivilkleidung unterwegs sind. Das Einschätzen ob jemand sich als Fixer ("ich regel das für Euch für eine Gebühr") anbiedern will, oder euch kontrollieren will - wird sich mit der Reisedauer entwickeln. 

Wenn ihr euch so abgesichert und vorbereitet habt - reagiert ihr vielleicht in einer heiklen Situation etwas besonnener. Mit diesen Zeilen will ich nicht erreichen dass ihr jedem den Autoschlüssel in die Hand drückt wenn er euch anschreit - aber dass ihr insgesamt besonnener reagiert.

Lasst euch ab diesen Zeilen nicht verunsichern, die Wahrscheinlichkeit eines solchen Vorfalles sind sehr, sehr gering. Dennoch bin ich froh, dass ich auch dieses eher schwierige Thema einmal auf den Tisch gebracht habe. Die Sicherheitslage unserer Reiseziele sollten wir immer auch im Auge behalten, dies ist ein Teil der Vorbereitungen.

Dass auch mit Vorbereitungen mal etwas gefährtliches passieren kann - uns hat es einige Wochen nach dem Schreiben dieses Artikels in Spanien fast erwischt: Adrenalin Pur - zur falschen Zeit am falschen Ort

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