Donnerstag, 14. Oktober 2021

Die Reisemüdigkeit - von Langeweile bis Sinnkrise

Langeweile, Einsamkeit, Sinnkrise - eine langzeit Reise hat eigene Herausforderungen an uns Reisende! Vom Reise Boreout / Burnout und wie man ihn vermeidet.

Die meisten von uns geben sich auch im Arbeitalltag nicht nur mit Arbeiten zufrieden, wir pflegen unsere Beziehung, wir treffen Familie und Freunde, betreiben Hobbys und nehmen am Vereinsleben teil, gehen am Wochenende einmal tanzen, ins Theater, Kino, fein Essen, und betreiben Sport. 

Wer denkt dass eine Langzeitreise automatisch eine gute Balance mit sich bringt, und das ganze etwas analysiert, bemerkt schnell das auch beim Reisen einiges zu beachten ist.

Unser Geist verlangt nach einer gewissen Stimulierung, damit wir uns ausgefüllt fühlen. Hier helfen uns die Work-Life Balance Analysen die mit den zunehmenden Burnout/Boreout Syndromen in unserer moderner Gesellschaft tiefer erforscht wurden.

Die meisten Selbstfahrer mögen ihr Leben, ihren Beruf - und haben gezielt darauf hingearbeitet sich diese Reise zu ermöglichen. Nur die wenigsten dürften sich darüber Gedanken gemacht haben, wieso sie sich in ihrem Leben und Arbeit so wohl fühlen. Wenn das Leben erfüllt ist, ist eine solche Selbstanalyse auch eher optional. 

Damit setzen sich die Menschen auseinander, die mit einen Burnout/Boreout persönlich oder im Freundeskreis konfrontiert wurden, oder sich beruflich mit der Materie beschäftigen. Die untenstehende  Grafik visualisiert eine gesunde Work-Life Balance nach aktuellen Erkenntnissen recht anschaulich:


Langeweile, Einsamkeit, Sinnkrise - eine langzeit Reise hat eigene Herausforderungen an uns Reisende! Vom Reise Boreout / Burnout und wie man ihn vermeidet.


Mit einer Langzeitreise entfallen viele dieser Rituale, der Strukturen die unser Arbeit und Privatleben zu einer guten Balance gebracht haben. 

Die Erfahrungen von bisherigen Urlauben von bis zu 6 Wochen die zur Erholung von Arbeitsphasen dienten, bringen leider hinsichtlich einer Langzeitreise auch nicht viel. 

Einige der Reisenden scheinen hier instinktiv eine gute Reise-Balance zu finden, aber immer mal wieder liest man auch von Langeweile und Sinnkrise in den Reiseblogs und auch auf Social Media.

Langeweile beim Reisen ist vielleicht auch der falsche Begriff. Reiselangeweile passt auch nicht. Ich nenne es Reisemüdigkeit, wenn man aufgrund der vielen neuen Eindrücke irgendwann abstumpft und neuere Eindrücke nicht mehr gleichermassen wertschätzen kann.

Beispiel: Wer das südliche Afrika bereist, zückt beim ersten Elefanten begeistert den Fotoapparat, einige Tage später stört dann die Elefantenherde, die den Track überquert.

Auch beim Reisen sollte man auf die Reisegeschwindigkeit achten und "Urlaube" einplanen. Phasen ohne neue Eindrücke, in denen man sich wieder regenerieren kann. 

Auch hier die Anzahl an persönlichen Interessen und Hobbys jeweils bereichernd. Auf Reisen ein Tagebuch schreiben, Bloggen, Instagram, professionell(er) Fotografieren, ein Buch schreiben, die Reise verfilmen kann auch beim Reisen die Freizeit rasch aufzehren und eine gewisse Auslastung und geistige Beschäftigung mit sich bringen.

Analog dazu können Hobbys oder Vereine ja auch den Arbeitsalltag in der Heimat würzen.

Auch Bücher lesen, Hörbücher oder Podcasts lauschen sind weitere würzende Elemente, egal ob man gerade arbeitend oder reisend unterwegs ist.

Wir Menschen sind (meistens) auch soziale Geschöpfe. Wie auch in Arbeitsphasen sollten wir regelmässig den Umgang mit Freunden und Familie pflegen. Auf Reisen lohnt es sich gleichermassen, zusätzlich tiefere Kontakte und Freundschaften zu anderen Reisenden zu knüpfen und zu Pflegen.

Auch wirklich gute Freunde können oft den Reisewunsch und das Reiseleben nicht wirklich nachvollziehen - und gewisse Reisethemen und Tipps lassen sich mit anderen Reisenden besser besprechen.

Eine Weltreise oder Langzeitreise kann auch zur Sinnkrise, langeweile oder Reisedepression führen. Woran liegt es und wie können wir dies verhindern?

Fazit  

"Nur Reisen" ist für die mentale Gesundheit gleich förderlich wie ein "workoholic leben" dahoam. Eine Weltreise ist kein eigentlicher Urlaub. Tägliches Planen, erleben, erfahren, umplanen, Kochen, Abwaschen, Wildcamping Platz finden, aufmerksam sein (je nach Reiseland/Region mehr oder weniger) - das ist kein Urlaub! Man könnte es als die neue "Arbeit" ansehen. Und nur Arbeiten kann zum Burnout oder Boreout führen.

Eine gemächliche Reisegeschwindigkeit und regelmässige mehrtägige Pausen helfen dabei, sich weiterhin über neue Eindrücke freuen zu können.

Auch  auf Reisen sollten Hobbys und Aktivitäten gepflegt werden die einem Spass machen, vom Lesen, Hörbüchern bis zu Fotografie, Tagebuch, ein Sachbuch Schreiben bis zur Verfilmung der Reise - ist da euerer Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Wer regelmässig Sport gemacht hat, sollte dies auch auf Reisen versuchen beizubehalten und sich über eine realistische Umsetzung Gedanken machen. 

Soziale Kontakte sind auch auf Reisen wichtig. Gezwungenermassen sind viele davon oberflächlich da man nur eine kurze gemeinsame Zeit zusammen hat. Hier sind Reiseseilschaften wo man zumindest virtuell regelmässig austauscht und vielleicht auch ab uns an mal gezielt trifft - eine grosse Bereicherung. 

Und auch  die Familie und Freunde in der Heimat - sollten wir regelmässig kontaktieren und uns austauschen. Uns gegenseitig am Leben des anderen teilnehmen lassen ist unglaublich bereichernd und inspirierend, sowohl für die Menschen in der Heimat, als auch für uns unterwegs.

Manche finden es auch bereichernd unterwegs einmal ein zwei Wochen auf einer Farm zu arbeiten. Wer sich dies mangels Sprachkenntnisse nicht selber unterwegs organisieren kann, findet in Portalen für Woofing entsprechende Angebote. In der Regel sind es 5 Stunden Arbeit pro Tag für Unterkunft und Verpflegung. Die "Hosts" sind nicht selten Auswanderer was das Thema Sprachbarriere etwas einfacher macht: https://wwoofindependents.org/hosts/search 

Wer aufbricht um dem Setting in der Heimat zu entfliehen, wird feststellen müssen dass man sich selber und seine Themen mit auf Reisen nimmt. Die Rückkehr damit auch nicht einfacher wird. Motive wie Abenteuerlust, Neugierde, Lust auf das Unbekannte - erlauben sowohl bei Aufbruch als auch bei der Heimkehr das Aufkommen von grosser Vorfreude auf die kommende Zeit.

Ich hoffe ich konnte euch einige Anregungen geben. Habt ihr noch weitere Tipps an mich oder andere Mitleser? Ihr könnt unten jederzeit auch anonym einen Kommentar hinterlassen. 

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