Sonntag, 7. März 2021

Reiseapotheke - was gilt es zu beachten?

Welche Medikamente gehören in die Reiseapotheke, welche darf man nicht einführen?

Immer wieder liest man von unschönen Vorfällen rund um mitgeführte Medikamente bei der Einreise. Beschlagnahmte Medikamente sind unschön, ein Gefängnisaufenthalt deftig und auch schon die Diskussionen mit den Grenzbeamten ist vermeidbar.

Bei dem bereisen von 1-2 Ländern mache ich mir selber dazu auch keine Überlegungen - aber bei einer Langzeit Reise wie einer  Transafrika oder Panamericana mit über 10 Ländern lohnen sich hier doch einige Vorbereitungen. Dazu gehört auch eine Beratung beim jeweiligen Tropeninstitut, welches einem zu Impfungen, Prophylaxen und Medikamenten beraten kann, die sich da empfehlen - inklusive der Erörterung von Nebenwirkungen und Risiken.

Diese können euch auf vorhandene Epidemien und  Krankheits-Ausbrüche auf eurer Reiseroute hinweisen. Beispielsweise Dengue in Peru im 2015 - diese Information hat die hiesigen Medien damals nicht erreicht. 

Auf einer Langzeitreise abseits der Zivilisation müsst ihr euch selber helfen können, damit ihr im Fall der Fälle nicht unplanmässig wieder eine Stadt oder ein Krankenhaus ansteuern müsst. 

Tipp: Ich habe mir von meinem Hausarzt hinsichtlich von Medikamenten ein Carepaket zusammenstellen lassen, mit einem Rezept auf Englisch über alle Medikamente mit der Nennung der Stückzahl auf meinen Namen. Das heisst ich hatte für alles neue Packungen, einzeln beschriftet mit meinem Namen und der Dosierung für den Fall der Fälle. 

Reiseapotheke tipps und tricks! Was gehört dazu und was nicht?

Packliste: Medikamente für/gegen:

- Medikamente die ihr regelmässig nehmen müsst
- Antibiotika (Breitband)
- Antibiotika gegen eine Lebensmittelvergiftung
- Diverse Schmerzmittel (von Kopfweh bis eingeklemmter Muskel (stark))
- Fiebersenkende Mittel
- Durchfall
- Antihistaminika (stark), hilft gegen allergische Reaktionen
- Augentropfen gegen Entzündung
- Malaria Medikament (bei entsprechenden Reiseplänen)

Neben einer  Autoapotheke die noch nicht abgelaufen ist, empfiehlt sich in meinen Augen noch eine handelsübliche Reiseapotheke die Beispielsweise eine Wundsalbe schon mitbringt. Die sollte dann noch erweitert werden, mit den wichtigsten Sachen. 

- Wund-Desinfektionsmittel mit Wasserstoffperoxid
- Thermometer / Fiebermesser
- Sprühpflaster
- Brandwunden-Salbe
- Zeckenpinzette
- Sonnenschutz-Creme
- Aloe Vera Gel (gegen Sonnenbrand)
- Insektenspray mit viel Deet-Anteil (Bsp. Nobite-Insektenspray)

Der aufmerksame Mitleser wird schon mitbekommen haben, dass wir auch zu Stichfester-Kleidung raten, wenn man in Malaria/Dengue Gebiete reist. Dass ist einfach ein sehr zuverlässiger Schutz vor Insektenstichen. Sieht nicht toll aus, ist manchmal zu warm, aber es schützt effektiv. Wir kamen so ohne Malaria von Zürich über die Westroute nach Afrika, während andere sich da mit 6 Infektionen schmücken konnten. 

Generell hatten wir das Glück dass wir weder an den Grenzen in aller Tiefe durchsucht wurden, daher weder über die mitgeführten Medikamente Rechenschaft ablegen mussten, noch diese unterwegs benötigt hätten. Aber dass wir vorbereitet sind auf alle Fragen erlaubt uns wohl auch ein Auftreten, welches gar nicht erst zu nachfragen führt.

Die meisten haben ein viel zu schlechtes Bild von der Versorgungsqualität in ausländischen Arztpraxen oder Krankenhäusern, dennoch ist es schön wenn man im Fall der Fälle die Infrastruktur einer Stadt nutzen kann und nicht die etwas ominöse Praxis neben dem Pferdestall. Spätestens in den Hauptstädten gibt es Privatkliniken die unsere zentraleuropäisch geprägten Erwartungen entsprechen für ernsthaftere gesundheitliche Anliegen. 

In lokale Apotheken euer Problem schildern führt oft zu guten lokalen Produkten. Beim Wunddesinfektinsmittel mit Wasserstoffperoxid bekommt man in DACH beispielsweise nur 3.5% während man schon in Spanien in der Apotheke eine mit 5% wesentlich stärkere Dosierung ergattern kann. Dort wo es notwendig ist, hat dann auch der Mückenschutz eine höhere Deet Dosierung als das bei uns erhältliche Nobite. Aber es gibt Beispielsweise in Afrika auch probleme mit gefälschen Medikamenten... 

Trotzdem gehört eine kleine Reiseapotheke ins Fahrzeug und deren Inhalt sollte via Rezept auf Englisch formal auf euch erfasst sein. Ich würde mich im übrigen nicht mit den genannten Medikamenten eigenständig behandeln - ich würde meinen Hausarzt kontaltieren und würde fragen, was jeweils angebracht ist.

Wenn ihr ausserhalb der Abdeckung des mobilen Telefonnetzes unterwegs seid, und auch da noch abgelegene Regionen bereisen wollt - empfehle ich immer ein Satelliten-Messenger oder Satellitentelefon mit zu führen. An etwas vermeidbarem zu sterben, weil man wegen eines Funkloches nicht via Telefon Hilfe herbeiholen kann - ist im 2021 schlichtwegs nicht mehr zeitgemäss. Damit kann man sich dann auch hilfreiche Bücher wie "Where There Is No Doctor" sparen. 


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