Freitag, 5. Februar 2021

Weltreise / Sabbatical - welches ist das ideale Alter?

Welches Alter ist das beste für eine Weltreise oder ein sabatical?

Welches ist das ideale Alter für eine Weltreise? Diese Frage erreichte mich schon aus allen Altersgruppen und sogar Eltern fragten mich dies bezüglich der Reisepläne ihrer Kinder. Ich denke alles bis zu einer Reisedauer von einem Jahr kann man machen, ohne dies einen grösseren Impact hat.

Wie auch bei den Kosten einer Weltreise, gibt es hier auch hier keine allgemein gültige Antwort. Aber es gibt doch einige Faktoren die man durchaus mal bedenken kann.

Es gibt in meinen Augen zwei ideale Zeitfenster für eine längere Weltreise: Direkt nach Ende der Ausbildung/Studium bis zu einem Alter von 26  und dann wieder als Rentner. Dass Langzeitreisen dazwischen hat seine eigenen Opportunitätskosten die nicht nur monetärer Art sind.

Nicht ohne Grund brechen die meisten Backpacker nach ihrer Ausbildung Abitur oder Abschluss des Studiums auf. Viele leben da noch Zuhause oder in einer WG/Studentenwohnung und es ist einfach alles für einige Zeit zurückzulassen.

Auf einer Backpacker-Weltreise begegnet man dieser Altersgruppe daher auch am meisten an, auf Touren, im Bus und in den günstigeren Hostels.

Die Selbstfahrer sind meistens einen Tick älter, was aber daran liegt dass die Anschaffungskosten am Anfang einen Schnellstart meist verunmöglichen und an der schönen Zeit die man benötigt um das Reisefahrzeug auf die eigenen Bedürfnisse hin zu optimieren und auszubauen.

Aber zurück zum Alter. Ich habe Reisende in allen Altersgruppen getroffen und mich mit Ihnen ausgetauscht.

Fest steht, dass es in einem Alter ab 33 höhere Opportunitätskosten gibt. Zum einen steht man schon voll im Erwerbsleben und generiert ein höheres Einkommen. Geld was man dann während dem Reisen nicht verdient.

Welches Alter ist das beste für eine Weltreise oder ein sabbatical? Zu dem Geld was man nicht verdient, kommen auch die mit einem Einkommen einhergehenden Einzahlungen in das Rentensystem die nicht erfolgen. Auch ist es ein Alter, wo man in der Regel seine Karriere vorantreibt und neue Möglichkeiten ergreift. Die Familienplanung, Heiraten und Kinder sind ein weiteres Thema, was diejenigen die später aufbrechen oftmals zurückstellen.

Zudem fällt es im zunehmendem Alter immer schwerer, dass erreichte wieder loszulassen. Man hat in der Regel eine Wohnung, Einrichtung, Freundeskreis und ist wesentlich tiefer in die Gesellschaft eingebettet.

Das ganze hat nicht nur monetäre Werte sondern auch immaterielle Werte die nur schwer zu gewichten sind. Wenn wir unser Leben ganzheitlich betrachten, ein durchschnittliches Alter von 80 einsetzen - wäre es vermutlich am optimalsten dann zu Reisen, wenn es bezüglich späterer Rente und Karriere und Famillienplanung keine grosse Rolle spielt, wenn hier 1-2 Jahre kein Erwerbsleben stattfindet.

Nicht wenige erfahrende Reisende haben das Thema "Kinder" so lange aufgeschoben, dass es irgendwann einfach nicht mehr in Frage kam - auch hier sollte man sich dem Thema bewusst stellen und entscheiden, damit man diesen Umstand nicht später bereut.

Das Reisen an sich sieht in der Regel aber auch anders aus, ob man mit 20 oder 40 unterwegs ist. Die meisten jüngeren fröhnen da auf Reisen einem recht hedonistischen Lebensstil, feiern und lassen es krachen.

Im reiferen Alter betreiben viele schon ihre Hobbys nebenbei, legen einen noch tieferen Wert auf Kultur, Architektur und Kunst auf ihren Reisen, erleben das Reisen anders.

Das ist vereinfacht dargestellt, in jeder Altersgruppe gibt es reifere und unreifere oder atypisches Verhalten für das jeweilige Alter. Werten möchte ich es auch nicht, würde eher empfehlen beides zu erleben.

Welches Alter ist das beste für eine Weltreise oder ein sabbatical?

Fest steht, dass Beispielsweise eine Backpacker Weltreise ab 35 eine andere wird. Ihr werdet mit den jüngeren Reisenden in den 20ern nicht mehr soviel anfangen können und der Kontakt wird dadurch noch oberflächlicher und es bleibt bei einem "wie heisst Du, woher kommst Du, wohin gehts weiter" Schlagabtausch, der nicht mehr richtig zufriedenstellend ist. Ich konnte des öfteren in den Hostels beobachten, dass sich die älteren da nicht mehr tiefer integrieren konnten oder wollten - und selbst in dieser geselligen Umgebung etwas einsam wirkten.

Unterschiede gibt es auch ob man alleine unterwegs ist, oder als Paar.

Als jüngerer Reisender wird man jedoch meist einfacher und umkomplizierter von Locals in der gleichen Altersgruppe integriert und eingeladen. Trifft sich in einer Bar/Club oder auf der Strasse, kommt ins Gespräch, geht zusammen aus, geht zusammen Essen, verbringt einige gesellige Tage.

Mit Couchsurfing kann man das auch als älterer Reisender Geselligkeit suchen, oftmals suchen hier aber auch die Gastgeber die Geselligkeit und sind selber nicht all zu gut lokal eingebettet.

Reifere Allein-Reisende um die 50 scheinen sich da gespürt etwas schwerer zu tun, aber wie immer liegt das auch an einem selber. Wer offen, freundlich und aufgeschlossen ist und auf andere zugegen kann - hat es immer einfacher in Kontakt mit anderen zu kommen.

Bei Reisenden die als Paar unterwegs sind, spielt das Alter wiederum keine grössere Rolle - man ist sowieso hauptsächlich auf sich fokusiert, hat dadurch aber auch in der Regel keine tiefere interaktion mit der lokalen Bevölkerung.

Es ist mal wieder das Geld/Einkommen, welches mitentscheidet. Jemand mit Rücklagen und hohem Einkommen, kann auch die versteckten Kosten einer Weltreise in höherem Alter problemlos schultern, ohne dass er dies im Alter mit einer zu kleinen Rente "bezahlen" müsste.

Das sind jetzt immer auch Verallgemeinerungen. Es sind auch Famillien mit Kindern auf Weltreise, die durch die Freundschaften der Kinder mit gleichaltrigen wesentlich schneller in die lokale Gemeinschaft integriert werden. Paare die sich lokal einbringen, Freiwilligenarbeit leistet etc.

Welches Alter ist das beste für eine Weltreise oder ein sabatical?


Fazit:

Ein optimales Alter gibt es nicht. Und jede persönliche Entwicklung ist viel zu individuell als das man hier eine Empfehlung abgeben könnte. 

Manche machen wichtige Karriereschritte schon in ihren 20ern, andere starten erst nach einer Auszeit mit neuem Elan in einem anderen Berufszweig voll durch. Ob mit knauserigem Budget in jungen Jahren, oder finanziell abgesicherter etwas älter und reifer zu Reisen - alles hat seine Vor und Nachteile. 

Geld alleine macht nicht glücklich, dies sollte auch beim Blick auf die Rentenbildung berücksichtigt werden. Viele ältere Mitmenschen berichten dass sie genügsamer werden und dem Reisen nicht mehr soviel abgewinnen können.

Nach dem stöbern in vielen Reiseblogs und Reisebüchern und Filmen, scheint mir nicht das Alter der Reisenden wichtig zu sein, sondern deren persönliche Motivation für das Reisen selber. 

Diejenigen mit Abenteuerlust und Entdeckungsdrang erleben die Reise und freuen sich anschliessend schon wieder darauf, beruflich das tun zu können was ihnen die Reise selber ermöglicht hat. Wer mit seiner Reise dem Hamsterrad entkommen will, wird meist schon unterwegs entdecken dass Fernreisen kein Urlaub ist - und dürfte nicht gerade unbeschwert auf das Reiseende zusteuern.

Wichtig ist auch eine gewisse Stress-Ressistenz, sei es im Umgang mit Behörden, lauter Umgebung oder dem indischen Dauer-Gehupe - was in der Regel auch für einen früheren Reiseaufbruch spricht.

Die Kunst des Lebens ist es sein Glück und Frieden zu finden mit den im Leben getroffenen Entscheidungen und der damit eingeschlagenen und ausgeschlagenen Wege. 

Es gibt unzählige Reisende, die in jüngeren Jahren gereist sind und mittlerweise bereuen, dass Sie während der Reise teurere Aktivitäten ausgelassen mussten wegen des Budgets. Nicht-Reisende die nicht mehr gestartet sind, weil sie sich im höheren Alter nicht mehr lösen konnten. Unzählige Reisende die in Mittlerem Alter gestartet sind und auf ihren Reisen Einsamkeit erlebt haben. 

Und sehr sehr oft liest man "Reisemobil umständehalber abzugeben" - wenn im Alter die Gesundheit oder die Komfortzone des Reisepartners einen Start nicht mehr erlaubt.

Bei den Selbstfahrern kann man unterschiedliche bevorzugten Reiseziele mit dem fortschreitenden Alter beobachten. Afrika wird tendenziell von Jüngeren in Angriff genommen, auf der Panamericana habe ich überdurchschnittlich viele Reisenende über 60 getroffem, die sich ihren Lebenstraum erfüllen. Über die Rentnerkaravane auf der Seidenstrasse - habe ich auch schon mal berichtet.

Ihr könnt gerne mal auf meiner Liste von Reisenden auf der Transafrika über die Westküste einen Blick auf das Alter der Protagonisten werfen - Reisende über 60 Jahre findet sich Beispielsweise selten. Ob nun Sicherheitsbedenken, Stresslevel, Klimazonen (Hitze), die lokale kulturellen Angebote oder Schüttelpisten die älteren Reisenden abhält kann ich nicht sagen - aber fest steht - dass im zunehmenden Alter augenscheinlich andere Routen attraktiver werden.


Fest steht jedenfalls, das zumindest die Selbstfahrer in der Regel anfang 20 keine Rücklagen für ein solche Reise haben, wohl aber für eine Weltreise als Backpacker mit einen RTW Ticket. 




1 Kommentar:

  1. Das ist ein interessantes Gedankenexperiment! Sie haben auch die Interessensverschiebungen im Lebenslauf angesprochen. Als junger Mensch stehen Identitätsfragen im Mittelpunkt, daher ist Reisen dann ganz anders fokussiert. Mein Mann und ich (um die 60) werden in 2 Jahren eine Auszeit für 1/2 Jahr nehmen. Dann wollen wir nicht nur "nehmen" also anschauen, sondern auch geben, ich möchte gerne meine Qualifikationen einbringen. Ob das gelingt, weiß ich noch nicht.

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