Freitag, 9. Oktober 2020

Diesel und DPF: Moderne Euro5/6 Diesel-Fahrzeuge auf Weltreise

Längere Zeit habe ich die Links zu den Reisenden gesammelt, die aufgrund der Abgasnorm Euro5 auf Weltreisen gestrandet sind und liegen geblieben sind. Ab Euro5/Euro6 wird der Dieselpartikelfilter aktiv mit Sensoren überwacht, die Reisenden endeten unterwegs oft im sogenannten "Servicemode", der das Fahrzeug nur noch eingeschränkt nutzen lässt. 

Hintergrund der Vorfälle ist neben Verunreinigungen vor allem der Sulphur-Gehalt des Diesels.

Diejenigen die Glück hatten konnten den DPF entfernen lassen und das Fahrzeug auf die Euro3 Norm zurückrüsten können. Andere haben sich einen neuen Dieselpartikelfilter (DPF) einbauen lassen, was natürlich nicht für viele Kilometer hilfreich war und nur zu einer neuen Panne führte.

Mit Euro4 Abgasnorm gibt es keine Issues, das konnte ich auf meinen eigenen Reisen (u.a. Transafrika, Südamerika) auch bestätigen, dazu finden sich mittlerweile auch andere Reisende und ihre Blogs. Auch damals ging das definitiv in Richtung ausprobieren- und keiner hat mir die Verwendung einer damals aktuellen Abgasreinigung oder Fahrzeug Technologie geraten.

Was hat sich inzwischen getan rund um diese Problematik. In vielen Reiseforum konnte man die letzten Jahre nachlesen,  dass die Reisenden den DPF vom Hersteller oder Drittfirmen entfernen liessen. 

Ich lese viele Reiseblogs und versuche auch diesbezüglich auf dem laufenden zu bleiben. Nun habe ich im 2019 erste Reisende auf der Seidenstrasse und Panamericana entdeckt, die mit DPF und Euro6 ohne Rückrüstung oder andere Eingriffe unterwegs sind.


Es ist wieder an der Zeit, die Situation im 2020 neu anzuschauen. Schauen wir uns den Sulphur Gehalt im Diesel auf einer Weltkarte an, wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Diese Daten werden von United Nations Environment Programme (UNEP) erhoben und wurden von mir noch animiert aufbereitet um die Zeitachse etwas zu visualisieren:

Wie ihr sehen könnt, hat sich hier in den letzten Jahren doch etwas getan. Neben Bemühungen der Umweltschutzverbände dürfte hier auch helfen, dass die Oberschicht nicht auf moderne Fahrzeuge aus dem Portfolio von BMW, Mercedes und VW verzichten wollen, die ihre modernen Fahrzeuge jedoch nur mit der aktuellen Abgasnorm ausliefern.

Auch in Delhi oder Lima will die Oberschicht schliesslich einen BMW X7 bewegen können.
Auch die Abgasnorm die ein Fahrzeug erfüllen muss um neu zugelassen zu werden, hat sich International doch recht entwickelt:


Zumindest nach dem Sulphur-Gehalt und der lokal geltenden Abgas Norm die für Neuwagen zu erfüllen ist, hat sich in den letzten Jahren einiges getan.

Für die gängigen Overlanding Weltreise-Routen Seidenstrasse und Pananmerikana hat sich die Situation wesentlich verbessert, für die Transafrika Ost/West-Route wären doch noch viele Kilometer in Ländern zu fahren, deren Sulphur-Gehalt sehr hoch ist.

Länder mit einem Sulfur Gehalt von 2000 oder höher gibt es aber auch auf der Seidenstrasse (u.-a. Mongolei, den Stans, Pakistan) und auch auf der Panamericana (Bolivien, Peru) im 2019 noch immer.

Wie immer heisst es "es geht nicht" mit DPF Abgasreinigung mit Euro5/6 - bis jemand es einfach mal wieder probiert und belegt. Gleich zwei Reisende habe ich entdecken können:

Südamerika & Anden: https://vanamericana.ch/auto/adblue/ (Euro6 mit Adblue)
Seidenstrasse:  https://lets-get-otter-here.com/ (Euro6 ohne Adblue)

Leider hat (c)ovid die Reisevorhaben in Südamerika frühzeitig beendet, aber einige Kilometer haben die Reisenden doch zurückgelegt, mit einem Euro6 Fahrzeug mit Adblue. Es war eine geführte Tour und laut Auskünften waren nur zwei Fahrzeuge von 40? ohne Rückrüstung unterwegs.

Die beiden Reisenden auf der Seidenstrasse sind gerade wieder in Thailand gestartet und Reisen jetzt im September 2020 wieder über die Mongolei zurück, falls sich das Vorhaben trotz Covid umsetzen lässt. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass ihr Pioniergeist hier nicht doch noch zu technischen Issues führt. In Ihrem Blog habe ich nach Details zu ihrem Reisefahrzeug gefragt und habe diese hier noch aktualisiert.

Fazit

Ich würde Stand heute noch immer dazu raten, sich hier auf keine Experimente einzulassen - und mit einem Fahrzeug bis mit Euro4 Starten - oder vor der Reise eine Rückrüstung vornehmen lassen.
Auch wenn die ersten ungeachtet dessen gestartet sind, fehlt hier noch die Langzeiterfahrung und höhere Kilometer-Leistungen in Ländern mit hohem Sulphur Gehalt.

Die Liste derjenigen die mit modernen Fahrzeugen gestrandet sind, ist erheblich länger als die Liste die solche Länder ohne technischen Impact bereisen konnten:

VW CrafterMercedes Sprinter, Mercedes Gdiverse  um mal ein paar Beispiele mit Fakten zu untermauern, die Aufgrund des DPF / Abgasreinigung unterwegs liegen geblieben sind.

Diejenigen die eine Weltreise planten haben hier wohl meistens vorgesorgt, es finden sich viele Blogs in den letzten Jahren, die vom DPF Ausbau oder DPF Delete berichtet haben.

Hier findet ihr den Artikel von mir aus dem 2014: Moderne Diesel auf Weltreise mit vielen Beispielen und Links zu den jeweiligen Reiseblogs. Auch mit Links zu Firmen die den sogenannten DPF Delete durchführen können, wenn dies der Hersteller nicht selber anbietet.

Die meisten Publikationen zum Thema befassen sich nur damit, ob die Abgasreinigung mit hohem Sulphur-Gehalt noch funktioniert - und nicht damit wie lange: SAE, CCcoalition, Researchgate

Wie immer bleibe ich dran und werde berichten was sich diesbezüglich entwickelt. 

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