Freitag, 18. September 2020

Reisefahrzeug Offroad-Umbau was braucht es wirklich?

Welche 4x4 Umbauten sind Sinnvoll? Hier meine Erfahrungen mit Schnorchel, Seilwinde, Frontbar, Zusatztank und ob diese wirklidh notwendig waren/sind.

Der Fahrzeug Ausbau, in englisch vehicle overland preparation- ist für jeden Einsteiger in das Thema äusserst verwirrend. Immer wieder werde ich gefragt, was auf meinen Reisen wichtig war, ob der Schnorchel genutzt wurde oder die Seilwinde. Zeit hier mal ein Resüme zu ziehen. Was muss ein Fahrzeug haben damit eine Weltreise entspannt gefahren werden kann?

Ein oft vernachlässigtes Thema ist dabei das Fahrzeuggewicht. Viele Reisen völlig überladen, dies ist zum einen nicht legal (aber wird bei 4x4 Geländewagen meist nicht entdeckt) und führt zum anderen zu den leidigen Reparaturen bis hin zu Rahmenbrüchen bei den Pickups.

Rahmenbruch Pickup Wohnkabine

Nach 110`000 Reisekilometern (Transafrika, Island, Europa und Südamerika) mit meinem Fahrzeug in dem ich über ein Jahr gelebt habe hier mal meine Tipps und Erfahrungen zum Fahrzeug Offroad- Umbau/Ausbau. Hier ist die Liste meine Ausbauten, unten dran erkläre ich detailliert wann ich diese benötigt habe und ob ich diese bei einem neuen Ausbau heute wieder berücksichtigen würde:

- Schnorchel ( +Hochlegung diverser Entlüftungsarten)
- Frontbar
- Seilwinde
- Erdanker
- Unterfahrschutz
- Differentialsperren
- Maxtrax Sandblech / Recovery
- Grössere Reifen (33")
- Mudterrain Reifenprofil (MT)
- nur 1x Ersatzreifen mit Felge
- Ersatzreifenträger am Heck
- Luftstandheizung (Luft vs Wasserstandheizung erkläre ich unten)
- Zusatztank Treibstoff 180Liter
- Wärmetauscher zum Motor (heisse Dusche)

Schnorchel: Ich habe ihn mehrfach gebraucht (Island, Afrika, Südamerika), aber eben auch weil er da war. Selbstzweck sozusagen. Dabei habe ich auch zwei mal das Fahrzeug und damit die Reise an sich gefährdet als der Wasserpegel auf der Frontscheibe abzulesen war (genau weiss man schliesslich nicht was unter Wasser so lauert). Aerodynamisch nicht optimal und führt zu erhöhten Windgeräuschen. Für den reinen Reiseanspruch nicht notwendig, würde nicht mehr verbaut.

Welche Offroad Umbauten sind wirklich notwendig? Schnorchel, Frontbar, Seilwinde, Rocksliders, Unterbodenschutz. Alles für die Weltreisen, von Sseidenstrasse, Panamericana Transafrica Silkroad mit dem 4x4 und Snorkel
Frontbar: habe ich bei drei Unfällen "gebraucht", bei zweien davon wurde ich gerammt während ich stand. Auch beim Offroad-Fahren hätte ich die Frontschürze ohne Frontbar mehrfach abgeräumt. DH auf Langzeitreise erspart es den eint oder anderen Werkstattbesuch und den Issue dass der andere Verkehrsteilnehmer weder Versicherung hat noch Geld....Inwischen wird es immer schwieriger die Frontbar legal eingetragen zu bekommen, ich würde diese heute daher nicht mehr verbauen.

Rearbar: Eine Rearbar habe ich beispielsweise nicht verbaut, denn mein Fahrzeug war auch so schon recht überladen... Ich bin jetzt bei Plastikschürze Nummer 3. Kostet jedesmal so um die 1000 Euro mit lackiern. Würde Sinn machen die zumindest bei den neueren Plastikschürzenträgern zu verbauen, aber - zu schwer.

Seilwinde: wurde des öfteren gebraucht, bei 110`000km aber nur einmal wo ich mich wirklich unerwartet festgefahren habe. Ansonsten wurde sie gebraucht weil sie da war - ich wusste da schon vorher dass ich da nicht so einfach durchkomme. Alleine mein Bergekit mit Verlängerung, Tree-Trap, Umlenkrolle bring seine 15 Kilo mit sich. Bei einnem Neuaufbau wäre bei mir lediglich Bogout und ein Abschleppseil im Gepäck.

Erdanker: damit traut man sich auch auf schlammigen Hügeln ins Schlamassel, wenn es keine Bäume hat, wenn man dazu eine Seilwinde hat. Würde heute mit der Seilwinde zusammen wegrationalisiert.

Unterfahrschutz: Bei mir sind 6mm Aluplatten verbaut. Sind schwer und dennoch noch zu schwach - und kosten doch einiges an "Bodenfreiheit". Würde ich nicht mehr verbauen...

Zusätzliche Differentialsperren: Mein Landcruiser kommt mit Mittelsperre und elektrischen Sperren vorne und hinten. Zusätzlich habe ich noch ARB Differentialsperren mit Kompressor verbaut. Nur einmal wäre ich ohne ARB Sperren nicht wieder herausgekommen, beim versuch einen gesperrten Andenpass zu überqueren. Selbstzweck... Ich würde immer mit Differentialsperren starten, hat es das Fahrzeug schon, dann reichen auch elektrische... Wichtig sind Mitteldifferentialsperre und die hintere Differentialsperre.

Maxtrax: Dank Seilwinde haben diese ein Nischendasein geführt, ohne Seilwinde würde ich diese aber empfehlen für den Einsatz in Sand und Gelände.

really necessary offroad stuff for worldtrip preparation on 4x4 overlanding vehicles33" Reifen: Damit hat man meist grössere Reifen wie die locals und kommt entsprechend weiter. Dieses quentchen "ich komme weiter" würde ich wieder umsetzen (für eine Langzeitreise). Da der 33" Ersatzreifen dann nicht mehr unter das Auto passt, müss ein "Rear tyre carrier" her. Das wiegt gut etwas und ab dann muss vor dem öffnen des Kofferraums jedesmal erst der Reifen aufgeklappt werden. Mit grösseren Reifen stimmt die Übersetzung der Gänge nicht mehr so ganz, ist nur egal wenn das Auto genügend Leistung hat... Entscheide selber...

Mudterrain Bereifung: Nur mit Mudterrain Bereifung kommt man von einer nassen Wiese wieder herunter, kann eine schlammige Passage ohne Windeneinsatz bewältigen. Die Reifen sind stabiler und sollten in Afrika sogar eines dieser selbstgefertigten Nagelbretter bewältigen können. Wer Wildcampen möchte, ist damit besser gerüstet. Für eine Weltreise würde ich immer zu MT Reifen greifen. Ich fahre immer MT Bereifung auch im Alltag, Hätte ich täglich zweimal 60km Autobahn zur Arbeit zu fahren, sähe der Entscheid bestimmt anders aus - das Abrollgeräusch ist definitiv lauter (in einem modernen Reisefahrzeug aber eher für die Mitmenschen ausserhalb und nicht im Innenraum).

Ersatzreifen: Eine Reifenpanne auf 110`000km mit hohem Offroad Anteil und dem längere fahren mit wenig Druck führten zu einer Reifenpanne. Obwohl die Flanke aufgerissen war, konnte er noch mit Schlauch als Ersatzreifen repariert werden. Ich würde immer nur einen Ersatzreifen mitnehmen.

Standheizung: Eigentlich recht nützlich. Unbedingt eine Luftstandheizung erwerben und keine Standheitung die auch den Fahrzeugkühlkreislauf wärmt. Letzere laufen nur 20 minuten und sind für die hiesigen Winter gedacht um das Fahrzeug abzutauen und vorzuwärmen. Es gibt Hersteller mit Höhenkit (Planar / Eberspächer) - daher würde ich auch diese Empfehlen. Ansonsten gibt es ab 2500m Höhe schnell Probleme...

notwendige fahrzeug umbauten für die weltreise (Transafrika, Panamerikana, Seidenstrasse) - hier meine persönliche Erfahrung!Zusatztank: Dies erlaubt seltener und bei den guten Tankstellen zu tanken, erlaubt auch mit Euro5 (oder gar Euro6) auf Reisen zu gehen. Erlaubt längeres autarkes Reisen - würde ich immer wieder verbauen, wenn Panamericana, Seidenstrasse , Transafrika oder andere abgelegenere Gebiete auf der Wunschliste stehen. Es würde auch ohne gehen, mit Kanister, aber dennoch hätte ich hier öfters schöne Gegenden für einen Tankstop verlassen müssen (Island, Anden, Karpaten, Kamerun/Congo).  Daher muss dann sowieso der Ersatzreifenträger her, da unter dem Fahrzeug der Platz für den Tank gebraucht wird.

Wärmetauscher: heute würde ich mir wohl eher heisses Wasser kochen, in einer Faltschüssel angenehm temperieren und mich von meiner Freundin abduschen lassen. Andererseits nutze ich sie auch heute noch des öfteren an Wochenenden, nach dem Wandern etc. klarer Luxusartikel!

Reisefahrzeug, Dailydriver und Offroad Ansprüche

Wenn ich immer optimal ausgerüstet unterwegs sein möchte, hätte ich drei Fahrzeuge. Ein Offroad-Spielzeug mit deftigem Umbau, ein Fahrzeug zum Reisen mit sinnvollen Umbauten und ein Fahrzeug für den Alltag. Die wenigsten von uns können sich dies leisten - und oft wird das Fahrzeug dann ein persönlicher Kompromiss, der die Reise abdecken kann und auch Zuhause noch nützlich ist. Ein G-Klasse 6x6 mit Womo Umbau zeigte im Mobile.de Preisverlauf schön auf, dass dies auch zum "Groschengrab" werden kann, wenn man hier am "Markt" vorbei optimiert. Oder aber man "kann" nicht mehr verkaufen, weil das Fahrzeug einfach zu perfekt die eigenen Bedürfnisse abdeckt.

Wer ein reines Reisefahrzeug aufbaut, kann natürlich beim Offroad-Ausbau doch etwas weiter gehen - sollte aber dennoch auf das Gewicht ein Auge haben.

Mein Fahrzeug kommt noch in jede Parklücke, in jede Tiefgarage und ich kann den Landcruiser auch als Dailydriver nutzen. Zwar ist das Fahrzeug nicht unauffällig, das Schlafen dagegegen würde ich "stealth" nennen. Auf Reisen habe ich ab und an so auch in den Innenstädten geparkt und übernachtet, keiner kommt da auf die Idee das jemand darin übernachtet.

Mit Klappdach wäre dass schon schwieriger das Fahrzeug in meinem Alltag zu nutzen (Höhe) mit Wohnkoffer und Heckverlängerung wäre es dann ein reinrassiges Reisefahrzeug.

Fazit

Wie ihr seht würde ich bei einem neuen Fahrzeugausbau viele Umbauten heute nicht mehr durchführen. Teilweise aus Gründen der Legalität (Frontbar), vor allem aber wegen dem Gewicht. Denn ich liebe Offroad fahren und egal ob Schlamm, Sand oder Piste, das Gewicht zieht einem nach unten - und macht die Seilwinde dann doch notwendig.

Natürlich kann man auch mit einem 4to Brummer auf den höchsten Dünen Namibias herumfahren, aber mehr Spass macht das mit einem originalen und leichten 4x4 - oder noch besser - dem eigenen 4x4 Reisefahrzeug welches nicht allzu schwer ist!

Das Fahrwerk sollte auf das Gewicht ausgelegt sein. Daher gilt es auch beim Innenausbau und Gepäck beim Gewicht zu sparen. Habt ihr auf Reise 1to mehr und das Fahrwerk darauf ausgelegt mehr habt ihr zuhause einen "harten Bock", sonst auf Reisen ein schwammiges Gefühl und noch mehr Reparaturen.

Haltet euch vor Augen wie wenig es zum Weltreisen braucht: Ein Auto, ein Zelt und etwas Camping Equippement. Der Rest ist optional und nicht zwingend notwendig. Wer gerne Wildcamping macht und Offroad mag ist mit einem dezent umgebauten 4x4 gut beraten. Wer es deftiger mag, kann auch mehr umbauen - aber schaut immer auf das Gewicht - und ob das gewünschte dann damit auch noch gut geht.

Wie ihr seht habe ich selber viel umgebaut und entsprechende Strecken bin ich dann auch damit gefahren. Ab und an umkehren und "vernünftig" entscheiden, wäre durchaus auch ein Weg gewesen. Die Reperaturen auf meinen Reisen sind immer durch "deftigeres offroaden" entstanden - wer auch so Reisen möchte - kann obenstehendes auch entsprechend interpretieren.

Weltreise brauche ich einen Schnorchel, Frontbar, Seilwinde, 4x4 und Differentialsperren? Hier meine Erfahrungen

Welche Umbauten braucht mein 4x4 Reisefahrzeug? Differentialsperren, Seilwinde, Frontbar, Zusatztank etc?


Auch anderer Reisende haben nach der Reise ihren Ausbau und Equipement ausführlicher bewertet: Toyota off the Map - ihr seht auch wir Reisende gewichten das ganze recht unterschiedlich. 

Wenn ihr weitere gute Links kennt - fügt diese via Kommentar Funktion dazu - solche Erfahrunsgberichte sind für diejenigen die gerade anfangen zu Planen - äusserst hilfreich!

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Kommentare:

  1. Herzlichen Glückwunsch zum guten Artikel. Man fährt viel zu viel Kram in der Gegend herum und braucht es nie. Man sollte sich bei JEDEM Teil fragen braucht Mannes wirklich? Meine Winde fahre ich auch nur spazieren, 1 Mal wirklich gebraucht. Der Highjack nur zum Federn tauschen daheim. Sind gut 100 Kg die man fast nie braucht. Grüße Thomas

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  2. Sehr schön geschrieben, vielen Dank dafür, ein Thema das mich auch gerade sehr beschäftigt.

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