Freitag, 21. August 2020

Schmiergeld, Bestechungen und gängige Gaunereien

Schmiergeld, Abzocke, Erpressung auf Weltreise als Selbstfahrer - wie vermeidet ihr dies?

Auf meinen 140`000 Reisekilometer in Afrika, Asien, Europa, USA und Südamerika kam auch ich nicht um einige Situationen herum gekommen, wo Armee, Polizei oder zivile Personen versucht haben von mir Geld zu ergaunern.

Dieser Artikel wird euch darauf vorbereiten und euch davon auch etwas die Angst nehmen. In Südamerika ist es selten geworden dass man euch versucht auszunehmen, in Afrika ist das noch immer die Regel.

Meistens sind es ausgedachte Themen, die angeblich nicht in Ordnung sind. Wichtig ist hier, das wir Reisende uns so vorbereitet haben, dass wir zumindest die lokalen Bestimmungen einhalten, wie sie sie beim TCS, ADAC oder auf Wikioverland genannt werden. Lokale Regelungen zu Anzahl Pannendreiecke bis zum Feuerlöscher - gilt es zu beachten.

In Zeiten wo viele immer eine Videokamera laufen lassen, finden sich auch lustige Videos im Netz. Hier hat ein Reisender alle seine Kontrollen in Nigeria gefilmt und zusammen gestellt. Diese vermitteln einen guten Eindruck über gängige Kontrollen:


Ihr seht, mit Freundlichkeit und Beharrlichkeit kann man da mehr oder weniger elegant durchkommen. Bei einer hohen Kilometer Anzahl pro Tag kann es aber doch recht ermüdend werden, je nach eurer Nervenstärke lohnt sich da auch mal eine Pause. 

In Afrika werdet ihr schon des öfteren direkt nach einem "was hast Du für mich" oder einem Geschenk gefragt, als dass man euch versucht wegen irgend einem Blödsinn Geld von euch zu erhalten. In Südamerika geht es immer gleich um ein Bussgeld für irgend eine Unstimmigkeit am Fahrzeug oder Papieren.

Meistens sollt ihr für etwas bezahlen, was rechtlich auch lokal nicht sinnig ist. Beispielsweise wegen getönter Scheiben, angeblich fehlender Versicherungen, weil es ein ausländisches Fahrzeug ist, Strassengebühren, abgelaufenen Reifen, oder etwas ähnlichem.

Es gibt unterschiedliche Ansätze damit umzugehen, wichtig ist hier niemals Bestechung direkt zu zahlen. In der Regel kommen in Afrika 20 Minuten Diskussionen auf euch zu, in Südamerika kommt ihr mit 10 Minuten davon.

Seid nett und freundlich - und macht etwas hiervon:
- die Sprache nicht sprechen (ihr könnt nur noch deutsch)
- Argumentieren - (Botschaft, Grenzbeamte haben gesagt dass ist in Ordnung)
- Die Kontrolleure mit Papieren überhäufen.

Seid geduldig aber beharrlich. Es ist eine reine Zeitfrage und dem Deliquenten wird es irgendwann zu doof und ihr werdet weggeschickt.
Fallen vermeiden auf Weltreise: von Abzocke, Schmiergeld und Erpressung

In hartnäckigen Fällen fragt ihr nach einer Quittung / Beleg - in Congo habe ich sogar mal die Visa-Karte gezückt um den Vorgang abzukürzen.

Dann gibt es natürlich auch noch den Fall, dass ihr für begangene oder erfundene vergehen im Verkehr belangt werden sollt. Erfundenes lässt sich wegdiskutieren, wenn ihr eine Übertretung gemacht habt - werdet ihr euch jedoch in der Regel nicht herausreden können.

Meist wird euch dann das offizielle Formular unter die Nase gehalten, wo der Officer ankreuzen kann was ihr begangen habt und manchmal ist sogar der Preis angegeben (u.a. Marokko).. Der Officer wird euch anbieten 50% der Summe in Cash an ihn zu bezahlen. Tut euch und anderen Reisenden einen gefallen - zahlt in einem solchen Fall die formelle Busse. Er wird euch hassen weil er Papierkram hat - lernt aber damit dass wir Reisende keine Weihnachtsgänse sind, die man bequem ausnehmen kann.

Meistens beginnt das ganze mit der Kontrolle von euren Papieren, die zumindest in Afrika dann teilweise verkehrt herum angeschaut werden. Viele Reisende arbeiten hier mit laminierten Kopien ihrer Dokumente - da man so auch einfach mal davon fahren kann, wenn es einem zu blöd wird, oder zumindest nicht erpressbar wird.

Ich habe noch kein Dokument zurückgelassen. Aber es ist bestimmt entspannter zu Diskutieren wenn man weis dass derjenige nur unwichtige Dokumente einsammelt. Wenn es zu einer Busse kommt, wird oft der Reisepass kassiert, bis ihr mit einem Bankbeleg bez. Zahlung zurück kommt.

Nützliche Dokumente
  • Zweitpass (nur im Inland verwenden)
  • 2x Internationaler Führerschein 
  • 2x Versicherungsausweis mit namentlicher Auflistung aller Länder die ihr bereist
  • Carnet du Passage (hat lustigerweise mehrfach geholfen und sieht sehr offiziell aus)
Zumindest in der Schweiz wären wir nun mit Pass und internationalem Führerschein bei einem Gegenwert von ca 200 Euro - also höher als die zu erwartenden Bussen. Ein guter Beamter sucht nach dem Einreisestempel - dann wird es recht dünn... Der Zweitpass ist dann doch wieder mehr etwas um im Ausland z.B. beim Motorradverleih nicht erpressbar zu werden.

Eine Versicherung-Karte / Ausweis wo jedes einzelne Land aufgezählt wird, was man bereisen möchte ist auch extrem hilfreich - wenn nicht vorhanden würde ich diese selber erstellen (nur für die Roadblocks unterwegs).

Bei semioffiziellen Kontrollen (keine Uniform) kann es sich auch lohnen den Ausweis der kontrollierenden einzufordern. Ohne Ausweis keine Kontrolle - auch ein gangbarer Weg, den wir in Afrika gegangen sind.

Ihr seid bei behördlichen Kontrollen auch nicht ganz wehrlos. Wenn ihr sagt dass ihr euch an der nächsten Polizeistelle beschweren werdet und ihr anfangt Namen, Dienstgrad und Dienstnummer zu erfassen - wird es auch für den Officer unangenehme Konsequenzen geben.

Ich bin in Afrika meist auch einen noch anderen Weg gegangen - wer mag kann diesen in meinem Transafrika-Reiseblog nachlesen. An der Grenze Kamerun zu Kongo konnte ich auch beobachten, dass wir die einzigen waren die ohne Geld im Pass agiert haben. Die Locals geben alle etwas, aber natürlich den Bruchteil dessen was die Herren gerne von uns Touristen hätten.

In Südamerika wurde ich meist extrem bevorzugt behandelt. Unabsichtlich habe ich mehrfach die Beschilderung für Einbahnstrassen oder ähnliches nicht gesehen oder falsch interpretiert und wurde angehalten, nie kam dabei jemand auf die Idee mir deswegen ein Busse auszustellen. Mehr noch, man fragte wo ich hin möchte, zeigte mir den Weg oder fuhr sogar mit dem eigenen Auto vor. In Peru/Bolivien kann es selten mal vorkommen, dass ein Zöllner etwas dazuverdienen möchte, oder sich Beamte auf grossen Strassen langweilen und es probieren. Geduld, Freundlichkeit, viel Zeit - hilft letztendlich immer.

Handelt immer mit Augenmass und risikiert keine Eskalationen unterwegs. Hauptsache ihr ergattert eine Quittung und könnt diese dann auf einer Polizeistation nochmals entspannt diskutieren. Meldet das Fehlverhalten von offiziellen Beamten, dies führt für andere Reisende zu einem unentspannteren vorankommen.  

Lest vorgängig die Reiseblogs anderer auf eurer Route, lest die regionalen FaceBook Gruppen vor und während der Reise - und ihr seid prima vorbereitet auf das was da normalerweise so kommen kann. Das Hubb ist auch immer spannend zu verfolgen.

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