Freitag, 27. Mai 2016

Reisetipp: Island mit dem 4x4


Island mit seiner abwechslungsreichen und einzigartigen Natur ist ein absoluter Traum zum bereisen. Noch, denn die Verbote und Einschränkungen werden jedes Jahr spürbarer. Zugegebenermassen gibt es jedes Jahr aber auch medienwirksame Vorfälle, in denen Touristen sich unreif verhalten.

Island ist nicht gerade ein günstiges Reiseland, insbesondere wenn man auf Hotels und Restaurants angewiesen ist. Gerade die Hotels sind deftig - denn für das gute Geld wird nur ein eher rustikales und einfaches Ambiente geboten. Uns Overlander trifft das zum Glück nicht ganz so hart.

Im Artikel die Fahrzeugverschiffung nach Island bin ich auf die Kosten der Fahrzeug-Verschiffung schon detailliert eingegangen und habe die Mietfahrzeug-Situation und die Anreise-Optionen beleuchtet.




Es gibt gute Mietfahrzeuge, Pickup mit Wohnkabine aber auch andere Reisefahrzeuge und natürlich normale Mietwagen. Auch hier sind die Preise happig und die Erfahrungsberichte teilweise durchwachsen.

Um die Insel herum gibt es die sogenannte Ringstrasse, die heute grösstenteils in guter Qualität mit Teerstrassen abgedeckt ist. Ins Hochland, in der Mitte der Insel und an den Zufahrtstrassen an einigen Touristen-Hotspots stehen Schilder mit "4x4 only".

Diese signalisieren meistens nicht, dass nun ein ambitionierter Offroad-Track anfängt, sondern hier erlischt vor allen Dingen die Versicherung der Mietfahrzeuge ohne 4x4 - wenn man weiter fährt. Es kann also durchaus vorkommen, dass einem ein Local da mit einem VW Polo entgegen kommt.

Falls man zu einem Mietwagen greift, muss also ein 4x4 her - sonst verzichtet man doch auf einiges. Mit dem eigenen Fahrzeug ist Allradantrieb nicht wirklich wichtig - aber eine Untersetzung (die ja mit dem Allrad in der Regel mitkommt).

Wenn bei meinem Fahrzeug der Allrad zuschaltbar wäre - dann hätte ich ihn nur sehr selten zuschalten müssen - meist bei der Wildcamp-Suche. In den 2.5 Wochen in Island haben wir bis auf eine Nacht immer wildcamping gemacht - weil wir die Einsamkeit in der Natur an einem Lagerfeuer sehr schätzen.


Eine Untersetzung ist aber hilfreich, gerade bei den Furten mit grobem Steingrund, kann man es so entspannt und langsam angehen lassen.

Ab einer Reisedauer von zwei Wochen ist die Anreise im eigenen Fahrzeug jedenfalls finanziell lohnend.

Das Furten - so nennt man die Flussüberquerungen, ist in der Regel recht harmlos. Wer sein Reisefahrzeug mit 33" Reifen und Schnorchel ausgerüstet hat, braucht sich über die verwendete Spur in der Regel keine grossen Sorgen machen - und ist in der Lage einfach gerade durch zu fahren.

Wenn es stark geregnet hat, können die Flüsse aber auch recht reissend werden, auch wenn es tagsüber sehr warm war - kommt mehr Wasser von den Gletschern.

Da man viel von gefährlichen Furten liest, macht man sich in der Regel viel zu viele Gedanken, schaut sich die Furten an, um eine optimale Route zu finden. Je nach Watttiefe lohnt sich der Blick auch, wir stiessen durchaus auf Fahrzeuge, die mit einem Motorschaden im Fluss auf die Bergung warteten.


Die Fähigkeiten meines Schnorchels wurden jedenfalls nicht abgerufen, auch wenn wir die angeblich tiefsten Furten gefahren sind. Der Land Cruiser hat jedoch original schon eine Watttiefe von 80cm, mit der 33" Bereifung sind dass dann schon um die 82cm.

Erst als wir den GPS Tracks der Winter Super-Jeep Touren nachgefahren sind - haben wir da unsere Challenge gefunden, auch Furten, die für mein Reisefahrzeug zu deftig waren.

Um dahin zu kommen muss man aber die gekennzeichneten Tracks verlassen – dh richtig Offroad fahren. Genau das ist auf Island aber verboten und wird mit hohen Bussen bestraft.

Die Pflanzenwelt hat nur einen kurzen Sommer für die Regeneration zur Verfügung, weshalb jede neue Spur die neben den Tracks gefahren wird, je nach Untergrund für mehrere Jahre sichtbar ist. Um die schöne Landschaft zu erhalten, wurde dass Offroad-fahren verboten. Leider zeigen die Spuren, dass es immer noch viel zu viele Idioten gibt, die unbedingt eine eigene Spur legen wollen.

Es ist nicht so, dass das Offroad-Herz zu kurz kommt, es gibt Tracks für jeden Geschmack und Anspruch (für Wettbewerbsniveau eignen sich die Karpaten sicherlich mehr), die ganz legal befahren werden dürfen. Einen aktuellen Strassen Zustandsbericht gibt es online. Im Hochland gibt es auch immer wieder gesperrte Passagen, die auf eigenes Risiko befahren werden können.



Ich wusste das auch nicht und fuhr munter darauf los, obwohl unten ein „gesperrt“ Hinweis war -  als mir ein Ranger-Superjeep entgegen kam. Ich dachte schon, dass es nun Ärger gibt. Der Ranger hat sich mein Auto angesehen und meinte, dass ich es damit schaffen müsste – dh ich durfte die gesperrte Strasse auch befahren – mit Passagen, die das Adrenalin auch wirklich in höhere Bereiche gepusht hat.

Die Ringstrasse und die daran angrenzenden Sehenswürdigkeiten kann man in einer Woche abgrasen. Wer wenig Zeit hat – das ist auch eine tolle Tour. Nach Reykjavik fliegen und mit einem normalen PKW und Hotelaufenthalten starten (oder Pickup mit Wohnkabine) – sicherlich eine Reise wert!

Wir haben in 2.5 Wochen die Ringstrasse komplett abgefahren, dass Hochland zweimal durchquert und viele der Pisten abgefahren, haben über 6400 Kilometer zurückgelegt. Nur eine Passage wurde uns wegen des Vulkanausbruchs verwehrt, das Gebiet rund um den Bárðarbunga.

Das war sicher das Express-Programm, aber Zeit ist leider oftmals ein knappes Gut. Meiner Meinung nach braucht man ungefähr 3.5 Wochen, um die ganze Insel in Ruhe anzusehen. Mehr wäre wie so oft beim Thema Urlaub – noch besser ;-)



Versorgungsengpässe gibt es auf Island nicht, ein dichtes Netz von Dörfern, Tankstellen und Einkaufsmöglichkeiten ist vorhanden, nur im Hochland muss man Vorräte und genügend Sprit mitbringen. Hier war der Zusatztank nützlich, weil man nicht zum Tanken wieder in Richtung Ringstrasse musste, aber es geht auch ohne.

Holz gibt es auf Island nicht, das müsst ihr mitbringen, wenn ihr ein Lagerfeuer machen möchtet. Ich habe mir dazu einen Rucksack für den Ersatzreifen am Fahrzeugheck zugelegt. Für 2.5 Wochen reicht das auch mit einem Hobo-Ofen kaum, wir haben das Brennmaterial hauptsächlich mit Schafs-Dung (die hellen Überbleibsel sind trocken) und ab und an Strandgut gestreckt.

Wild Campieren auf Island? Das geht. Wichtig ist, dass man bei der Stellplatzsuche keinen Flurschaden verursacht. Offroad fahren, um einen Stellplatz zu finden ist eine Grauzone – ohne Flurschaden wird auch ein Ranger ein Auge zudrücken. Aber auf eure eigene Verantwortung ;-)

Meist nutzten wir alte halb zugewachsene Tracks, die für die Landwirtschaft genutzt wurden – um von der Strasse weg zu kommen. Selbstverständlich waren unsere Wildcamps auch versteckt, so dass ein vorbeifahrender Ranger nicht unnötigerweise auf uns aufmerksam wurde (Lese-Tipp: das 1x1 des Wildcampens).

In Island ist es auch im Sommer mitunter recht kalt, insbesondere im Hochland in der Nacht, die Witterung ist sehr unbeständig - es kann also während des Tages mehrmals zwischendurch regnen. Warme Kleider, Lagerfeuer und Markise (oder Innenwohnraum) sowie eine durchdachte Ausrüstung ist notwendig, sonst wird es einen des Öfteren in ein Hotel ziehen. Tiefergehende Overlanding-Tipps für Island werde ich in einem eignen Artikel beleuchten.


Einmal Island immer Island, das liest man ab und an. Ich fand es sehr schön und möchte irgendwann auch noch einmal hin - aber für mich gibt es viele schöne Orte auf dieser Erde, die es zu erforschen gilt.

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Island mit dem eigenen 4x4. Ein tolles Erlebnis mit einem hohen Offroad Fahrspass.

1 Kommentar:

  1. Gesperrte Strecken würde ich meiden. Hab da meine eigenen Erfahrungen gemacht mit ner Strecke, wo das Verbotsschild gefehlt hat. Bin fast ne Stunde gefahren bis ich auf das Problem stiess. Häufig hast du im Frühling die Situation, dass ein Gebiet eigentlich passierbar aussieht, vielleicht etwas feucht. Du kannst da auch drüber laufen ohne Probleme. Kommst du aber mit deinem 3T Fz an gehts nach unten. Dort ist es so, dass nur die obersten 20cm der Erde abgetrocknet sind, darunter lauert dann eine höchst flüssige Suppe und genau da bin ich dann auch rein, bis hoch zum Rahmen/Chassis. Der Untergrund ist dann meist gefrohren und bietet null halt, beim durchbrechen der Schicht verflüssigt sich die vorher feste Erde. Was bleibt ist eine höchst dünnflüssige Suppe. Raus kam ich eher durch Zufall denn durch können. Darum als Alleinfahrer: Kein Risiko eingehen!

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