Dienstag, 17. Juni 2014

Ist die Entscheidung zu Reisen so radikal?

Aktuell höre ich gerade das Hörbuch "Amokspiel" von Sabastian Fitzek. Und da kam eine Passage, die ich recht eindrücklich fand. Eine Passage die mich berührt hat, die denke ich jeder schon mehr oder weniger bewusst erlebt hat, vor einer etwas riskanteren längeren Reise.

die Risiken einer Weltreise bewusst erkennen. Ist der Entschluss eine Weltreise zu machen wirklich so extrem?

Ich zitiere hier den betreffenden Auszug aus dem Hörbuch, der Kontext ist meiner Meinung nach nicht wirklich wichtig:

Weil es im Leben nur um zwei Dinge geht, Hoffnungen und Entscheidungen.

Manche nennen es Träume oder Ziele, für mich sind es Hoffnungen die einen antreiben. Die Hoffnung einen besseren Job als der Vater zu bekommen, sich mal ein Cabrio leisten zu können, vielleicht etwas Ruhm zu ergattern, aber auf jedenfall die Hoffnung auf die Liebe seines Lebens.

Doch hoffen alleine genügt nicht. Um sich zu verwirklichen muss man Entscheidungen treffen, dass steht auf der anderen Seite der Gleichung. Aber das tun die wenigsten im Leben.

Die meisten auf diesem Planeten, lehnen sich entspannt in ihrem Kinosessel zurück und sehen zu wie die Helden auf der Leinwand die Entscheidungen treffen die sie sich nicht selbst zu fällen trauen.

Kaum einer bricht zu einer Reise ins Ungewisse auf. Wir brüllen dem Hauptdarsteller des Films zu er soll endlich sein gut bezahlten Job kündigen um einen verborgenen Schatz in der Wüste zu suchen.

Im wahren Leben würden wir selbst das nie tun. Es sei den unser Arbeitgeber gäbe uns ein Jahr bezahlten Urlaub. Es gibt nur einen hauchdünnen Unterschied zwischen der Masse und einigen wenigen.

Die einen hoffen nur, die anderen treffen zusätzlich noch eine Entscheidung. Sie setzen alles auf eine Karte. Und sie sind bereit alles zu verlieren, wenn das in letzter Konsequenz die Folge wäre.

Bei mir kam dieser bewusste Moment vor der Afrika Reise, von der Schweiz nach Südafrika. Mit der Route über Marokko, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Benin, Nigeria, Kamerun, Kongo, Dr Kongo, Angola, Botswana und Namibia.

Lange stand das ganze Vorhaben unter einem gewissen Fragezeichen, ob unter anderem Mali gegen Ende 2012 befahrbar sein würde, ob wir wirklich jedes notwendige Visum organisiert bekommen würden, mit unserem recht knappen Zeitfenster für das ganze Unterfangen.
Zusätzlich gab es Anschläge auf christliche Einrichtungen in Nigeria, die Rebellen in Kongo wollten Kinshasa einnehmen.


Ist die Entscheidung eine Weltreise zu machen wirklich so radikal? Die Risiken bewusst wahrnehmen.
unsere Route durch Afrika
Ich will die Lage vor unserer Reise jetzt nicht über dramatisieren, ich wollte nur skizzieren dass es da doch ein paar mehr Risiken mehr waren als nur "ich könnte mal eine Panne haben".
Natürlich habe ich die Lage mehr als sorgfältig geprüft, stand in Kontakt mit Personen Vor-Ort, hatte das Gefühl dass das Risiko überschaubar wäre.

Trotzdem, es war in den letzten 2-3 Wochen vor der Reise - als wir alle kritischen Visa`s organisiert hatten, wo mir bewusst wurde was ich hier aufs Spiel setze. Unser Leben, unseren Alltag der uns so gut gefällt, unsere Sicherheit die wir in der Schweiz geniessen, mein erspartes was zu einem grossen Teil in unserem Fahrzeug steckte.

In dem Moment war mir bewusst, dass ich alles bisher erreichte auf eine Karte setze, dass ich auf einen guten Schuss "unabwägbares" zusteuere.

Daher berührte mich dieser Text wohl, weil folgendes in dem Moment für mich so klar war: Sie setzen alles auf eine Karte. Und sie sind bereit alles zu verlieren, wenn das in letzter Konsequenz die Folge wäre.

Kein Fall von Angst, einfach ein Moment in dem ich mir voll bewusst wurde was das Risiko und was ich mit der Reise aufs Spiel setze. Es war ein unglaublicher Moment dieses Risiko so klar zu sehen, und es so bewusst einzugehen, kein Moment des Selbstzweifels zu erleben. "All-In" sozusagen, aus der perspektive eines Pokerspielers.

Natürlich habe ich mich schon lange mit dem Traum dieser Route auseinander gesetzt, habe gewusst dass wir damit ein Risiko eingehen, aber immer mit diesem Selbstvertrauen und dem "wird schon schief gehen".

Dieses Erlebniss hatte ich vor meinen anderen Reisen nicht in dieser Form, egal ob es nach Indien, Laos, Thailand oder ging, zu überschaubar empfand ich wohl das Risiko eines normalen Urlaubs.

Wie sich später während unserer Reise herausstellte, war das Risiko auch durchaus vorhanden. Als wir Mali erreichten gab es in der nähe am Vortag eine Entführung - mitten in der als eigentlich sicher geltenden Zone.

Nun bin ich gespannt ob und wie ihr das erlebt habt, vor euren Reisen! Gab es auch einen so konzentrierten Moment, in dem ihr das Risiko und die Tragweite eurer Entscheidung gesehen und erlebt habt? Oder ob ich mit dieser Erfahrung eher alleine da stehe.

1 Kommentar:

  1. Macht man sich nicht ständig Gedanken vor einer Reise, was alles schief laufen kann, wie man aus solcher oder jener Situation wieder rauskommt?
    Gehört nicht die Vorbereitung einer Reise auch schon zur Reise? Ich kann diese Hochs und Tiefs gut nachzuvollziehen... bin ich gut vorbereitet, bin ich gegen alles versichert (typisch deutsch ;-) )?
    Und dann der Tag der Abfahrt, die ersten hundert Kilometer, alles geht einem durch den Kopf. Bis man sich entspannt und sich nur noch aufs Reisen konzentriert....

    Dazu fällt mir dieser Spruch ein:

    "The world is a book, and those who don`t travel read only a page."

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