Freitag, 24. Januar 2014

Optimale Fahrzeugwahl für Reisende

Für eine Weltreise mit dem Motorrad hätte ich denke ich schon einen Favoriten. Zwei angetriebene Räder, breite Stollenreifen, schwimmfähig, gemacht für die harten Aufgaben. Damit wurde notabene auch schon das Darien Gap erfahren.



offroad motorrad mit zweirad-antrieb
Rokon Trail-Breaker heisst das Kunstwerk

Beim Geländewagen ist diese Frage eine niemals endende Diskussion. Oftmal mit beteiligten mit einem ganz unterschiedlichen Fokus, vom Wochenend-Ausflug bis zu Campingferien bis hin zu grösseren Vorhaben mit hoher Kilometerleistung. Von dem Selbstschrauber mit Ersatzteilen bis hin zu denjenigen die das Auto als Blackbox ansehen.
Von den Fahrern eines simplen Hiace 4x4 Ausbaus bis hin zum 150`000 Euro Vollausbau mit Heckverlängerung mit vollintegrierter Wohnkabine mit Klappdach und jeden erdenklichen finessen.
Von denjenigen die ein reines Reisefahrzeug aufbauen bis zu denjenigen wo das Fahrzeug auch noch vor und nach der Reise als Alltagsfahrzeug herhalten soll. Da treffen unmengen an Perspektiven, Wünschen und Meinungen aufeinander.

Diese Frage kann daher auch ich nicht beantworten. Euch hilft da nur - Fahrzeug Ausbaubeispiele anzuschauen, die Besitzer nach vor und Nachteilen auszuquetschen oder im Internet nach Erfahrungsberichten zu durchstöbern, Reiseblogs zu lesen und euch dabei vorzustellen ob genannte vor oder nachteile für eure Bedürfnisse auch ausschlaggebend sind. Mit der Zeit kommt ihr zu einer Lösung mit der ihr leben könnt.

Befürfnisse ändern sich, Famillien entstehen und wachsen, Ansprüche und Reiseziele ändern sich, ich empfehle schon in der Planungsphase nicht für die Ewigkeit zu planen. Geländewagen oder Pickup als Reisebasis sind für 2 Personen optimal, Kleinfamillien oder Haustiere finden in einem Van/Lieferwagen Ausbau wohl den besseren Reise-Komfort.

Die einfache Reparierbarkeit und gute Ersatzteilversorgung ist sicherlich niemals hinderlich auf einer grösseren Reise. Ab einer 50`000km Reise etwas wichtiger als auf kürzeren Spints. Trotzdem denke ich das dieser Punkt total überbewertet ist. In einem Endzeit-Szenario wäre ein Fahrzeug natürlich gut was man irgendwie immer wieder zusammenschustern kann, was zur Not auch mit Kerosin oder Salatöl fahren kann.
Aber heut zu tage ist die Zivilisation meist nicht mehr so fern und Hilfe via moderner Kommunikationsmittel in irgend einer Form organisierbar. Spätestens in den grossen Städten oder Haupstädten sind die Werkstätten bestens ausgerüstet, weil die reichere Schicht der Stadt-Bevölkerung nicht auf BMW X6 und ähnliches verzichten möchten - spätestens da kann auch modernen Fahrzeugen geholfen werden.
Auch Sicherheitskomponenten wie Airbags und ESP oder Komfortkomponenten wie Klimaanlagen könnten unterwegs mehr als hilfreich sein, ein Aspekt den einige vielleicht ausblenden.

Das Einfliegen von Ersatzteilen ist auch bei älterer Hardware nicht unüblich. Ob neu oder alt oder dazwischen, ich denke dass ist nicht mehr so wichtig. Beim Diesel würde ich von einem Euro5 Fahrzeug abraten, wenn es damit nach Afrika, Russland oder Südamerika gehen soll. Euro4 Fahrzeuge mit ungeregeltem Katalysator hingegen, sollten so etwas mitmachen. Beispiele über die Euro5 Problematik finden sich leicht. Gegebenenfalls müsste man abklären ob der Hersteller eine Rückrüstung vornehmen kann.

Ob alt oder neu, Diesel oder Benziner - wenn ihr etwas sucht werdet ihr für alle möglichen Konfigurationen Reiseblogs und Beispiele finden, etwaige Probleme erlesen können. Das einlesen ist meiner Ansicht nach der wichtigste Part - um zu einer guten Ausrüstung und einem passenden Fahrzeug und Ausbau zu kommen…

Fest steht dass ihr mit bewährter und erprobter ReiseTechnik nicht viel falsch machen könnt und euch die eint oder andere Kopfnuss erspart. Denn für diese Modelle gibt es gängige Ausbauten und Modifikationen. Beispielsweise gibt es für den Land Rover Defender viele Ausbauteile ab der Stange zu günstigen Preisen und guter Qualität. Klappdächer, Schubladen-Syteme und vieles mehr. Gutachten, ABE, TÜV /MFK alles schon dabei. Auch Klappdächer mit festen Seitenwänden sind verfügbar.

4x4 mit Klappdach und festen Seitenwänden
Extec Klappdach

Aber auch für Mercedes G und für das schon fast legendäre Toyota Land Cruiser (Buschtaxi) finden sich Lösungen und doch so einige Anbieter.

            4x4 Offroader mit klappfach und Moskito-Netzen
Space Cab Klappdach
Landcruiser, G-Klasse, Defender mit Hubdach oder Klappdach
Böhlen Klappdach

Wenn eure wünsche in Richtung Klappdach gehen, dann habt ihr bei Fahrzeugen mit ziemlich geraden Seitenwänden (Mercedes G-Klasse, Land Rover Defender) natürlich oben mehr breite als bei einem Fahrzeug was sich oben wesentlich verengt.

Das soll jetzt kein Loblied für das Klappdach werden, schliesslich habe auch ich einen anderen Weg bei meinem Reisefahrzeug gewählt (das Schlafen im Fahrzeug).
Aber es zeigt auf wie geläufig ein Fahrzeug für den Reisezweck ist, für die genannten Fahrzeuge finden sich auch Frontbar, Schubladensysteme Unterbodenschutz etc - denn es sind gängigere Ausbauten.

Bei einer exotischen und modernen Fahrzeugwahl ist die Anzahl derjenigen die damit umgehen können wesentlich kleiner. Dadurch sind die Preise meist deutlich teurer und um eine etwaige Abnahme seitens TÜV/MFK kann Stunden und Tage verschlingen. Auch hinsichtlich Innenausbau geht es dann schnell in die wesentlich teurere Einzelanfertigung.

Jedes gut gewartete Fahrzeug sollte selbst die längeren Reisewünsche ohne grössere Pannen überstehen können, Pech kann man natürlich immer mal haben.
Wichtig ist dass doch jeder der es wollte - auch weitergekommen ist. Pannen und darauf basierte Reiseabbrüche sind rar, auch bei moderneren Fahrzeugen.

               Landcruiser mit Heckverlängerung und Wohnkabine mit Klappdach
                Custom Camper  Land Cruiser 105 
Toyota Landcruiser mit Azalai Aufbau - ein guter Offroader
Böhlen Azalai Umbau HZJ 79 

Pickup mit Geocar Kabinenaufbau - ein leichter Offroader
Geocar Kabine auf einem Pickup

Soweit zu einigen bewährten und gängigen Herstellern und Modellen. Aber das schöne ist dass da draussen unglaublich viele Lösungen unterwegs sind, Lösungen die euren Bedürfnissen vielleicht besser entsprechen als die genannten. Nehmt euch dafür Zeit da etwas in das Thema einzuarbeiten.

Ich selber verzweifelte irgendwann daran, möglichst viel Komfort von Zuhause auch im Ausbau umzusetzen. Eine Kabine mit Innendusche/WC Kochecke bei einem noch offroad tauglichem Gewicht.
Ich hätte gerne den Komfort einer Hymer Tupperdose gehabt und gleichzeitig einen Geländewagen der auch knackige Passagen mit einer guten Geschwindigkeit zulässt und wegsteckt.
Zum Glück habe ich nicht versucht dass umzusetzen... Irgendwann sah ich ein, dass ich entweder einen richtigen Geländewagen oder ein Reisefahrzeug haben kann. Ich musste nicht lange in mich gehen - um für mich ein eine Entscheidung zu fällen.  Ein Geländewagen mit minimalem Ausbau und der Möglichkeit innen zu schlafen ist es geworden. Ein modernes Fahrzeug mit hohem Komfort und ordendlich Power.

Wie lange die getroffene Entscheidung für mich stimmig ist, weiss ich nicht. Aktuell bin ich mehr als glücklich und erste Erfahrungen waren sehr positiv.

Wenn man sich bei denjenigen umsieht die schon eine weile auf diese Art Reisen, dann sieht man  oftmals einen regen Wechsel der Fahrzeuge. Daher würde ich nicht weiter als mit einem 5 Jahres Horizont planen, wie schon einmal erwähnt. Nicht wenige machen eine richtig lange Reise - und verkaufen das Fahrzeug anschliessend - weil auch andere Reiseformen nach ihrer Anwesenheit rufen...

Wieso auf Komfort verzichten wenn der "Offroad-Anteil" eurer Reiseplanung eigentlich auch mit einem Kastenwagen-Ausbau machbar wäre? Oder wieso um jeden Preis den Komfort mitnehmen, wenn ihr euren eingeplanten "Spass-Anteil" danach nicht mehr ausleben könnt? Fragen die man sich beim Planen schon beantworten können sollte.
Mit wenigen Umbaumassnahmen kann man z.B. auch aus einem VW California 4x4 ein recht guten Kletterer machen - der mehr kann als man ihm zutraut als weitere Option.

Auch der Preis des Reisefahrzeuges inklusive Um- und Ausbau ist auch ein wichtiger Punkt. Ihr müsst das ganze irgendwann auch "riskieren" können. Wenn ihr Beispielsweise in ein Land fahrt, wo Fahrzeuge gerne einmal gestohlen werden, oder in Risikogebiete - wie entspannt seid ihr noch wenn ihr einen grossen Teil eures ersparten in das Fahrzeug gepumpt habt? Irgendwann wird euch dieser Punkt beschäftigen bevor ihr aufbrecht. Beruhigend - auch unterwegs - wenn das "worst case" Szenario noch in dem Bereich "shit happens" hineinläuft.

Spannend ist auch auch die Diskussion im Expeditionsportal über das beste Overlanding-Fahrzeug das in den USA je verkauft wurde.

Ich hoffe dieser Artikel gibt denjenigen die am planen sind einige Impulse und Fragen auf den Weg, die zu einem stimmigen Setup führen.  Ich habe versucht meine Gedanken und Erfahrungen zum Thema Fahrzeugwahl in diesen Artikel einfliessen zu lassen, ich weiss nicht wie gut es mir gelungen ist. Egal was für ein Fahrzeug ihr auch auswählt - überladet es nicht. Kein Fahrzeug ist dafür geschaffen an der Grenze der legalen Beladung für längere Zeit über schlechte Strecken gescheucht zu werden.

Einfach ein Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, Wasserkanister in den Kofferraum - lässt auch schöne Reisen zu - dass sollte man sich bei der Evaluation des Reisefahrzeuges immer vor Augen halten.

Dieses Thema könnte euch sicherlich auch noch interessieren: Geländewagen Innen-Ausbau und der Geländewagen aus und Aufbau und das Gewicht sowie Beiträge dieser Kategorie http://www.4x4tripping.com/search/label/Ausbau-Technik  und auch Overlanding mit knappem Budget

Kommentare:

  1. Hallo
    Dein letztes Foto hier mit der Kabine ist KEIN Geocamper sondern eine GEOCAR aus Österreich. Dein Link stimmt aber Geocamper ist in Russland zuhause !
    Martin

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    1. Danke für die Info, habe den Linknamen korrigiert!

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