Sonntag, 15. März 2015

Das Carnet de Passages en Douane (CPD)

Das Carnet de Passages ist eine Art Reisepass für dein Fahrzeug. Ein Dokument welches auf deinen Namen ausgestellt wird um das Fahrzeug vorübergehend Zollfrei einführen zu können. Das Fahrzeug kann auch ein Leihwagen oder Firmenwagen sein (Reisen mit dem Leihwagen oder Firmenwagen), aber das Carnet selber ist auf den Reisenden ausgestellt und ist nicht übertragbar.

Das Carnet de Passage wird von zugelassenen Stellen (meistens sind dies die Automobil Clubs des jeweilien Landes) gegen Hinterlegung einer Bürgschaft oder Kaution ausgestellt. Damit verpflichtet sich der Automobilclub gegenüber dem jeweiligen Reiseland dass das Fahrzeug wieder korrekt ausgeführt wird, oder aber dass Zölle und Gebühren entrichtet werden.

Die Liste der Länder die das Carnet zwingend voraussetzen wird immer kleiner, aktuell sind Australien, Ägypten, Iran, Japan und Südafrika zu nennen, aber diese Informationen sind nicht wirklich gesichert. Daher haben die Automobilclubs aufgehört diese Carnet-Weltkarten online zu stellen, diese hier ist aus dem 2012 vom schweizerischen TCS:


Carnet de Passages weltkarte, gültigkeit weiltweit
Im 2012 konnte man davon ausgehen dass man das Carnet in den rot markierten Ländern zwingend benötigt, dass es in den orange markierten Ländern akzeptiert wird. In vielen Ländern kann man jeweils an der Grenze ein temporäres Importpapier (TIP) erwerben.


Ein Tip erwerben heisst jedoch auch dass ihr mit Bargeld hantieren, eventuell sogar bei einem manchmal windigen Geldwechsler eure Euros oder Dollars tauschen müsst. Ein Carnet erspart euch das ganze, es gibt einen Stempel für die Einreise, ein Stempel bei der Ausreise.
Das Carnet muss auf denjenigen Ausgestellt werden, der die Reise auch antritt und ist nicht übertragbar. Nach einem Jahr muss das Carnet verlängert werden, dazu wird einem ein neues Carnet auch im Ausland zugestellt. Bei der nächsten Ausreise lässt man nun beide Carnets abestempeln, und schickt das alte wieder zurück.

Das Carnet Dokument ist im jeweiligen Automobil-Club des Landes erhältlich, kann aber auch im Ausland ausgestellt werden.

ACS (Preis für Mitglieder 220 CHF, ansonsten 310 CHF)
http://www.acs.ch/ch-de/reisen/international/zollvorschriften.asp

TCS (Preis für Mitglieder 220 CHF, ansonsten 330 CHF)
http://www.tcs.ch/de/reisen-camping/reiseinfos/themen/zolldokumente.php

Deutscher ADAC (Preis für Mitglieder 195 EUR, ansonsten 295 EUR)
http://www.adac.de/reise_freizeit/ratgeber_reisen/fahrzeug_reisen/carnet_de_passage/?tabid=tab2

Östereichischer ÖMTC (Preis für Mitglieder 140 EUR, ansonsten 240 EUR)
http://www.oeamtc.at/?id=2500,1082411,,

So sieht das Carnet aus, es ist mit 10 oder 25 Seiten bestellbar:

Carnet für WeltreisenCarnet de Passages en Douane für Overlanding TripsCarnet de Passages en Douane (CPD)



Um ein Carnet de Passages zu erhalten, muss ein Teil des Fahrzeugwertes in Bar, oder via Bankbürgschaft hinterlegt werden.

Fahrzeugwert Kaution
- bis zu CHF 9'999.- = CHF 3'000.-
- ab CHF 10'000.- = 50% des Fahrzeugwertes

Ausnahmen:
Die Kaution muss 100% des aktuellen Fahrzeugwertes für die folgenden Länder betragen: Indien, Jordanien, Kenia, Pakistan. Das betrifft auch Fahrzeuge mit zeitlich begrenztem Schweizer Kennzeichen oder Fahrzeuge, die für eine spätere Anmeldung in die Schweiz importiert werden.
Ägypten:
Für Ägypten ist in jedem Fall eine Kaution von CHF 30'000.- für Fahrzeuge bis 2000 cm3 (Hubraum) bzw. CHF 60'000.- für Fahrzeuge über 2000 cm zu hinterlegen.

Der Fahrzeugwert ist der variable Teil dieser Rechnung. So gut wie alle Reisenden probieren also, einen möglichst tiefen Fahrzeugwert gegenüber dem Aussteller geltend zu machen. Deshalb kommt es durchaus auch mal vor, dass ein schweizerisches Fahrzeug mit einem deutschen Carnet unterwegs ist - weil dort ein geringerer Wert akzeptiert wurde - und die Kaution dadurch niedriger war.

Ich habe viele Blogs nach dem Thema durchforstet. Der Wert des Fahrzeuges kann man nach gutdünken angeben. Wer den Wert deutlich zu tief, wird seitens des Ausstellers eingeschätzt - was zu einer höheren Bewertung führt. Daher: bleibt bei einem realistischen, aber tiefen Wert.

Man verpflichtet sich vertraglich gegenüber dem Carnet Herausgeber, das man das Fahrzeug auch wieder aus dem jeweiliegen Reiseland ausführt - oder ansonsten für die anfallenden Gebühren zu haften.

Kommen wir nun also zur Haftung: Gegenüber dem Aussteller des Carnets muss man sich vertraglich dazu verpflichten, über die Kaution hinaus - um bis zu bis zu 125% des Fahrzeugwertes persönlich und solidarisch zu haften. Liest man die AGBs genauer - stellt man fest dass es hier um den Fahrzeugwert geht, den das jeweilige Land veranschlagt - und nicht um den selber niedrig angegebenen Wert.

Trotz intensiver Rechereche konnte ich jedoch kein Beispiel auftreiben, wo der Reisende voll haften musste. Ich habe mit dem Focus auf Afrika auch kein Beispiel gefunden, wo das Fahrzeug gestohlen worden wäre in den letzten 5 Jahren. Vielmehr Beispiele, wo z.B. bei Geiselnahmen das Fahrzeug leer zurückblieb.

Ich habe auch kein Beispiel im Netz gefunden, dass das hier angedeutete "worst-case szenario" hinsichtlich der Haftung je zum tragen gekommen wäre. Heisst dies das man sich "geeinigt" hat? Das keine Fahrzeuge gestohlen wurden?

Ich hatte ja bisher fast nur auf Afrika geschaut, werde nun aber aufgrund der Planung zu unserer nächsten Reise - auch im internationalen Umfeld die Augen offen halten.

In den westlichen Ländern wird in der Regel ein Diebstahl akzeptiert, ohne eine Zollgebühr erheben zu wollen. In anderen Ländern kann dies anders aussehen. Auch bei einem Unfall mit Totalschaden sollte man das ganze zusammen mit Carnet-Aussteller, lokalem Automobilclub sowie dem lokalen Zoll die Handhabung abklären - damit da keine Forderungen erwachsen.

Wenn ihr Beispiele kennt, wo es Probleme mit dem Carnet gab - bitte schreibt mir ein Email oder hinterlasst einen Kommentar.

Nach anfänglichem zögern das Carnet einzusetzen - lernte ich dieses jedoch sehr schnell zu schätzen. Denn - vorausgesetzt man hat eine Versicherung - kann man ohne Bargeld in ein Land einreisen - alles was man braucht ist ein Stempel.

Auf der Kostenseite spart man da allerdings nichts, denn auch die TIP Papiere kosten etwas - und man weis dabei nie ob man Fantasiepreise bezahlt hat, oder die wirklichen Kosten.

Tömu hat Beispielsweise auf der Westroute Afrikas folgende Kosten gehabt, ohne Carnet: Tansania 20 USD, Zambia 50 USD, Angola 100 USD, Kongo 100 USD, DR Kongo, Mali und Benin je 7000 CFA - und da fehlen noch ein paar Länder...

Fazit

Garade in Afrika ist unserer Erfahrung nach vieles möglich, von dem bereisen von Süd-Afrika ohne Carnet wo man normalerweise eines bräuchte, bis auf das nutzen von dem Carnet in Angola, wo es eigentlich gar nicht akzeptiert wird. Die Zöllner an den kleinen Grenzübergängen wissen oft nicht was sie mit uns Overlandern machen sollen.

Es gibt auch zwei aktuelle(re) Beispiele 2012 / 2013 von Afrika Umrundungen fast ohne Carnet de Passage, die völlig legal an jeder Grenze ein TIP erwerben konnten. Allerdings waren beide Reisende mit dem Motorrad unterwegs.

Ohne Carnet spart man sich natürlich die Bürgschaft bzw die Kaution die bei demjenigen der das Zolldokument ausstellt hinterlegt werden muss, vereinfacht den Verkauf des Fahrzeuges, dafür braucht man an jeder Grenze definitiv bares, muss Geld wechseln.

Kommentare:

  1. Das Carnet sieht im 2014 und 2015 genau gleich aus, halte gerade wieder ein neues Carnet in den Händen.

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    1. hallo und guten tag zusammen, hat jemand Erfahrungen gemacht mit einem in kenya ausgestgellten carnet ? unser wagen ist in kenya eingelöst und wir fahren von kenya via Uganda ruanda usw. bis Kapstadt und lassen dann das Auto ein paar Monate in Namibia stehen. wir können keine zuverlässige Auskunft erhalten ob ein carnet nötig ist ( in kenya wird scheinbar ein Vollkaskoversicherung!! verlangt, sonst gibt es kein carnet , ob das wahr ist ? ) wir wären dankbar für antworten, am liebsten sofort da wir in 10 tagen abreisen. danke aus der schweiz edith

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  2. hallo!
    wie ist das wenn man ein carnet bestellt und die genauen reiseländer aber noch nicht sicher weiss? bzw. wenn sich die route unterwegs noch ändern könnte? bei der beantragung muss man ja die genauen länder angeben...
    wäre das carnet trotzdem gültig bei einer routenänderung?
    danke für die hilfe!

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  3. Um auf Nummer sicher zu gehen, würde ich jedes Land beim Antrag benennen, welches man eventuell durchfahren wird.

    Beim Iran und auch Ägypten wird aber eine wesentlich höhere Kaution fällig - dass sollte man dann schon vorher durchdenken...

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  4. probably the best source for current carnet info http://overlandingassociation.org/carnet-de-passage/

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